Der Girivalam ist
die rituelle Umrundung des heiligen Berges Arunachala im
Uhrzeigersinn (Giri = Hügel, Valam = Umrundung); Giripradakshina hat
dieselbe Bedeutung.
Im Jahr 2011 sind
über 8 Millionen Besucher nach Tiruvannamalai gekommen, davon waren
sicherlich die meisten Pilger welche sich aufmachten, die knapp 14 km
lange Strecke zu gehen - oder auch zu fahren. Auch die Fußkranken und die Gebrechlichen müssen nicht verzweifeln, der Girivalam ist auch mit dem
Auto, Taxi, Bus, Riksha oder Fahrrad erlaubt!
Besonders zu
Vollmond strömen die Gläubigen in die Stadt, und natürlich zu
Deepam im Tamil-Monat Karttigai (nach unserem Kalender ein Tag Ende
November / Anfang Dezember).
An diesem größten
aller religiösen Festivals im Ort steht der Mond in Konjunktion mit
dem Sternenhaufen der Plejaden, riesige Ghee-Feuer werden dann auf
dem Berggipfel entzündet und Tiruvannamalai wird von Wallfahrern
regelrecht überrannt. Die Stadt mit gut über 100 000 Einwohnern
verzeichnet ungefähr die zehnfache Anzahl Besucher.
Sollten Sie also
zum Arunachala reisen wollen, verspüren auch Sie einen Ruf –
Deepam ist sicher wunderschön, aber vielleicht ist es für Europäer
doch besser, sich zunächst zu einer weniger belebten Zeit auf den
Weg zu machen.
Es gibt einen
inneren Weg durch die Felder und einen entlang der Straße, wobei die
Straße außerhalb von Tiruvannamalai allerdings recht ruhig ist. Man
kann diesen Weg also unbesorgt gehen.
Um den Berg herum
sind acht physische Siva Lingams angeordnet, die zum Darshan besucht
werden können, aber es heißt, daß auch es sehr, sehr viele
subtile, energetische Siva Lingams unter und entlang der Strecke
gibt, welche ihre feinen Energien verströmen.
Die Pilger sollten
zum Girivalam saubere Kleider tragen und in meditativer Stimmung
sein. Man darf auf dem Weg alle Arten von Wundern erwarten, und man
soll ein großzügiges Herz haben – der Bettler am Wegrand könnte
eine Inkarnation eines Verwandten sein, oder vielleicht sogar ein
verkleideter Gott! Nehmen Sie also viel kleines Geld zum Spenden mit,
Sie werden es brauchen, ich kam am ersten Tag praktisch pleite ins
Hotel zurück. Sogar meine Kekse für unterwegs haben sich die Kinder
geholt.
Es macht auch
einen Unterschied, an welchem Wochentag man den heiligen Berg
umrundet, jeder Tag steht für eine bestimmte Qualität des Girivalam
Es gibt sicherlich
noch eine Reihe weiterer Vorschriften für die Pilger, und ich habe
im Hotel auch gefragt, ob ich wohl in den Tempel gehen müsse, oder
bestimmte Rituale durchführen, aber der nette Rezeptionist hat nur
gelächelt und den Kopf geschüttelt. „For tourists – not
necessary!“
Gut, ich habe das
dann als eine Art Absolution für Nicht-Hindus genommen.
Ich war einfach
dort in Tiruvannamalai und bin gelaufen, ganz nahe bei meinem Apu,
und ich hatte das feste Vertrauen, daß das mehr als genug war, und
ich bin ganz sicher, daß ich einen großen Segen empfangen habe. Es
heißt, daß das Feuerelement des Hügels auch das schlimmste Karma
zu verbrennen vermag, und daß Siva denen, die ihn dort besuchen,
alle Wünsche erfüllt.
Und auch, daß es
schon eine große Menge gutes Karma erfordert, damit ein Mensch
überhaupt an diesen Ort gelangt. Oder ein Bild des Arunachala sieht.
Oder überhaupt nur an den Berg denkt!
Ich bin den
Girivalam an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gelaufen – einmal für
mich, und einmal für meine Tochter. Am zweiten Tag bin ich schon mit
Blasen an den Füßen gestartet, aber jede Mutter kann sich sicher
vorstellen, daß solche Kleinigkeiten kaum eine Rolle spielen, wenn
es um das Wohl des Kindes geht, auch wenn es das weniger greifbare
spirituelle Wohl ist.
Zum Glück habe
ich aber an diesem Tag in der Frühe noch die wunderbare Toby, eine
alleine reisende Psychotherapeutin aus Kalifornien, kennengelernt.
Wir sind zusammen gelaufen, haben geredet und erzählt wie das nur
unter Frauen passieren kann, wenn man sich gerade kennengelernt hat
und sich im nächsten Moment gleich das Herz ausschüttet wie unter
besten, alten Freundinnen.
Ich
habe bei ihr im Resort auch eine Pause eingelegt. Im Swimmingpool,
zum abkühlen und ausruhen. Sie hat meine Füße für den restlichen
Weg zu meinem Hotel mit Moleskin, einem sagenhaften Pflaster, welches
es offensichtlich nur in den Staaten gibt, versorgt, denn sonst hätte
ich diesen zweiten Girivalam wohl nur in der Riksha vollenden können.
Zugegeben,
der zweite Girivalam für mein Kind war weniger besinnlich, aber ich
vertraue darauf, daß Sivas Segen auch auf ihr liegt.