Chidambaram ist
mit dem Taxi in ca. drei bis vier Stunden von Tiruvannamalai aus
erreichbar. Bekannt und berühmt ist die Stadt mit ungefähr 60.000
Einwohnern wegen des Nataraja-Tempels, einem der heiligsten Orte in
ganz Tamil Nadu. Die Stadt Chidambaram ist ganz auf den Tempel
ausgerichtet, das riesige Areal mit den vier Eingangstürmen, den
Gopurams, steht im Zentrum, und wird von ringförmigen Straßen
umgeben.
In diesem Tempel,
der Siva geweiht ist, wird die Gottheit nicht wie sonst als
körperloser Lingam dargestellt, sondern als vielarmiger kosmischer
Tänzer. Sein ekstatischer Tanz lässt die Welt entstehen, erhält
sie und bringt auch wieder Zerstörung, ein Symbol für den Zyklus
aus Geburt, wachsen und Auflösung im Tod. Unter den Füßen des
Tänzers wird ein Zwerg niedergehalten als Zeichen der Meisterschaft
über die Täuschung, die Maya.
Der
Nataraja-Tempel in Chidambaram ist einer jener heiligen Orte, die in
Verbindung mit einem der fünf klassischen Elementen der indischen
Philosophie stehen. Tiruvannamalai mit dem Berg Arunachala und seinem
Tempel sind Plätze des Agni, des Feuer-Elements, Chidambaram
hingegen ist ein Ort des Aakash, des Äthers, der großen Leere, des
endlosen Nichts, des reinen Bewusstseins, der Quelle allen Seins.
Wie ich schon von
mehrmals schrieb, sind an Indiens heiligen Plätzen die verschiedenen
Qualitäten der Energien sehr spürbar. Wenn Sie jemals das
Tempelareal in Chidambaram betreten und sich dem Schrein im inneren
Bereich nähern, werden Sie erleben, wie der Geist von ganz alleine
ruhig und klar wird und sich die sonst rastlosen Gedanken
verflüchtigen. Man schwingt sich ein auf die endlose Weite des
Kosmos und läßt die Grenzen der Welt hinter sich.
Das Idealbild des
Meditationsprozesses: Der Geist als stiller See mit glatter
Oberfläche, ungekräuselt durch Gedankenwellen, in dem sich
unverzerrt das göttliche Licht spiegelt.
Hier an diesem
magischen Ort verbrachten Toby und ich einige Zeit schweigend und
versunken, und schenkten dem Kosmischen Tänzer unsere kleinen Gaben,
die Archana.
Vor dem Tempel
dagegen: Nicht nur Betriebsamkeit, sondern mehr als das. Hier wurden
wir, zum ersten Mal in Indien, von Bettlern verfolgt. Elende junge
Müttern mit kleinen Babies stellten sich uns in den Weg und „money,
money, money“ rufende Kinderscharen umringten uns. Toby, die
resolute, selbstbewusste Person tat das einzig richtige: Während ich
noch nicht recht wußte, wie mir geschah und verdutzt um mich guckte,
packte sie mich schon am Arm und zog mich weg, zurück zum Taxi.