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Dienstag, 19. Februar 2013

Chidambaram

Chidambaram ist mit dem Taxi in ca. drei bis vier Stunden von Tiruvannamalai aus erreichbar. Bekannt und berühmt ist die Stadt mit ungefähr 60.000 Einwohnern wegen des Nataraja-Tempels, einem der heiligsten Orte in ganz Tamil Nadu. Die Stadt Chidambaram ist ganz auf den Tempel ausgerichtet, das riesige Areal mit den vier Eingangstürmen, den Gopurams, steht im Zentrum, und wird von ringförmigen Straßen umgeben.

In diesem Tempel, der Siva geweiht ist, wird die Gottheit nicht wie sonst als körperloser Lingam dargestellt, sondern als vielarmiger kosmischer Tänzer. Sein ekstatischer Tanz lässt die Welt entstehen, erhält sie und bringt auch wieder Zerstörung, ein Symbol für den Zyklus aus Geburt, wachsen und Auflösung im Tod. Unter den Füßen des Tänzers wird ein Zwerg niedergehalten als Zeichen der Meisterschaft über die Täuschung, die Maya.

Der Nataraja-Tempel in Chidambaram ist einer jener heiligen Orte, die in Verbindung mit einem der fünf klassischen Elementen der indischen Philosophie stehen. Tiruvannamalai mit dem Berg Arunachala und seinem Tempel sind Plätze des Agni, des Feuer-Elements, Chidambaram hingegen ist ein Ort des Aakash, des Äthers, der großen Leere, des endlosen Nichts, des reinen Bewusstseins, der Quelle allen Seins.

Wie ich schon von mehrmals schrieb, sind an Indiens heiligen Plätzen die verschiedenen Qualitäten der Energien sehr spürbar. Wenn Sie jemals das Tempelareal in Chidambaram betreten und sich dem Schrein im inneren Bereich nähern, werden Sie erleben, wie der Geist von ganz alleine ruhig und klar wird und sich die sonst rastlosen Gedanken verflüchtigen. Man schwingt sich ein auf die endlose Weite des Kosmos und läßt die Grenzen der Welt hinter sich.
Das Idealbild des Meditationsprozesses: Der Geist als stiller See mit glatter Oberfläche, ungekräuselt durch Gedankenwellen, in dem sich unverzerrt das göttliche Licht spiegelt.
Hier an diesem magischen Ort verbrachten Toby und ich einige Zeit schweigend und versunken, und schenkten dem Kosmischen Tänzer unsere kleinen Gaben, die Archana.

Vor dem Tempel dagegen: Nicht nur Betriebsamkeit, sondern mehr als das. Hier wurden wir, zum ersten Mal in Indien, von Bettlern verfolgt. Elende junge Müttern mit kleinen Babies stellten sich uns in den Weg und „money, money, money“ rufende Kinderscharen umringten uns. Toby, die resolute, selbstbewusste Person tat das einzig richtige: Während ich noch nicht recht wußte, wie mir geschah und verdutzt um mich guckte, packte sie mich schon am Arm und zog mich weg, zurück zum Taxi.