Nach meinem Ausflug nach Kumbakonam, ich nenne es mal Tempel-Rallye,
zog es mich wieder zurück nach Tiruvannamalai. Alles, was ich in Indien
erledigen wollte, war jetzt geschafft. Ich war beim Nadi-Reading in
Chennai gewesen, ich bin zweimal den Girivalam gelaufen und hatte alle
vom Astrologen empfohlenen Orte besucht, die Gottheiten geehrt und meine
Gaben und Gebete dort gelassen.
Alles, was ich jetzt noch wollte, war Zeit in der wunderbaren Atmosphäre des Berges verbringen.
Toby, meine amerikanische Bekanntschaft von meinem zweiten
Girivalam, ist ein geborenes Organisationstalent und eine wunderbare
Frau, und wir hatten beschlossen, uns für die verbleibende Zeit in
Tiruvannamalai ein Zimmer im einzigen örtlichen Resort zu teilen. Wir
wollten es uns gut gehen lassen, also den Room Service beanspruchen, im
Pool planschen, uns den Rücken auf ayurvedische Art massieren lassen und
ein bisschen die Traveller-Cafes im Ort besuchen, bevor ich wieder nach
Hause fliegen musste und sie weiter reiste zu einem buddhistischen
Training in Nepal.
Während Toby in der Regel im Morgengrauen aufstand und unglaublich
diszipliniert buddhistische Rituale praktizierte, dabei akribisch eine
Liste mit der Anzahl der bereits gesprochenen Gebete und Mantren und
Verbeugungen führte, blieb ich einfach faul im Bett liegen, genoß später das leckere indische Frühstück, welches in daheim in Deutschland
so sehr vermissen würde, las ein bisschen und schaute den Berg an.
Manchmal unternahmen wir am Nachmittag etwas zusammen, beispielsweise
uns in traditionelle indische Salwar Kameez einzukleiden oder eine
Kleinigkeit im Shanti Cafe zu essen, manchmal redeten wir nur einfach
und machten weiter – nichts.
Dolce far niente.
Einmal unternahmen wir den Versuch, ein Stück den Berg zu besteigen,
um die Meditationshöhlen Ramana Maharishis und die Wasserfälle zu
besuchen. Ich wollte noch als Zeichen meiner Dankbarkeit und Verehrung
ein Ritual an die Wesenheit des Arunachala durchführen. In der
schamanischen Tradition, die mich an diesen Ort geführt hatte, nennt man
eine solche rituelle Gabe aus den verschiedensten Dingen, die die Natur
uns schenkt, ein „Despacho“.
Für das Despacho hatte ich im Ort eine Auswahl an Hülsenfrüchten,
Gewürzen und Nüssen gekauft, die hübsch arrangiert und mit unseren guten
Wünschen und unserem Atem als persönlichster Gabe dem Platz geschenkt
werden sollten. Ein solches Ritual ist immer ein besonderes Erlebnis,
man kommt in einen richtigen flow des Gebens und Nehmens und es entsteht
eine sehr schöne Energie dabei. Der Ort, den wir für das Despacho
auserkoren hatten, lag etwa auf halber Höhe und bot einen großartigen
Blick auf Tiruvannamalai mit seinem riesigen Tempelareal.
Die Nachricht, daß zwei Touristinnen mit einer Tasche voll Essbarem
auf einem kleinen Felsplateau saßen, muss sich in der Affenwelt rasend
schnell verbreitet haben. Kaum hatten wir begonnen die ersten Gaben
auszulegen, waren wir von einer ganzen Herde der Tiere umringt, die sich
frech ihre Lieblingsleckerbissen herauspickten, und alles, was nicht so
schmeckte, den Abhang hinunter fegten.
Ich gehe jetzt mal davon aus, daß der Apu bereits unseren guten
Willen als Ergebnis akzeptiert hat, und so sind wir eben wieder bergab
marschiert, ich für mich mit dem Vorsatz, daheim in Deutschland an einem
ruhigeren Platz ein weiteres Despacho zu machen. Unsere einheimischen
Tiere sind ja in solchen Dingen glücklicherweise etwas weniger
vorwitzig. Da die Wesenheit des Arunachala, Lord Siva selber, ja auch
als Affengeneral Hanuman inkarniert ist, war diese kleine Party unter
Verwandten vielleicht ein Ausdruck seines Humors und seiner Liebe zu
allen Wesen.
Die wunderbare überirdische, lichte, freudige und liebevolle Energie
des Berges durfte ich eines nachts spüren, als ich wach wurde und die
göttliche Präsenz viel intensiver spüren konnte als sonst. Es ist in
dürren Worten kaum beschreibbar, und ich bin leider keine mystische
Dichterin, die dieses Erlebnis in ausdrucksvollen, hymnischen Bildern
erzählen kann. Nur so viel: Ich lag in meinem Bett und die Tränen der
Rührung flossen in Strömen, und sie tun es noch jetzt, wenn ich nur
davon schreibe oder daran denke. Es war die Berührung der Gottheit
selber.
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Sonntag, 17. Februar 2013
Montag, 14. Januar 2013
Girivalam
Der Girivalam ist
die rituelle Umrundung des heiligen Berges Arunachala im
Uhrzeigersinn (Giri = Hügel, Valam = Umrundung); Giripradakshina hat
dieselbe Bedeutung.
Im Jahr 2011 sind
über 8 Millionen Besucher nach Tiruvannamalai gekommen, davon waren
sicherlich die meisten Pilger welche sich aufmachten, die knapp 14 km
lange Strecke zu gehen - oder auch zu fahren. Auch die Fußkranken und die Gebrechlichen müssen nicht verzweifeln, der Girivalam ist auch mit dem
Auto, Taxi, Bus, Riksha oder Fahrrad erlaubt!
Besonders zu
Vollmond strömen die Gläubigen in die Stadt, und natürlich zu
Deepam im Tamil-Monat Karttigai (nach unserem Kalender ein Tag Ende
November / Anfang Dezember).
An diesem größten
aller religiösen Festivals im Ort steht der Mond in Konjunktion mit
dem Sternenhaufen der Plejaden, riesige Ghee-Feuer werden dann auf
dem Berggipfel entzündet und Tiruvannamalai wird von Wallfahrern
regelrecht überrannt. Die Stadt mit gut über 100 000 Einwohnern
verzeichnet ungefähr die zehnfache Anzahl Besucher.
Sollten Sie also
zum Arunachala reisen wollen, verspüren auch Sie einen Ruf –
Deepam ist sicher wunderschön, aber vielleicht ist es für Europäer
doch besser, sich zunächst zu einer weniger belebten Zeit auf den
Weg zu machen.
Es gibt einen
inneren Weg durch die Felder und einen entlang der Straße, wobei die
Straße außerhalb von Tiruvannamalai allerdings recht ruhig ist. Man
kann diesen Weg also unbesorgt gehen.
Um den Berg herum
sind acht physische Siva Lingams angeordnet, die zum Darshan besucht
werden können, aber es heißt, daß auch es sehr, sehr viele
subtile, energetische Siva Lingams unter und entlang der Strecke
gibt, welche ihre feinen Energien verströmen.
Die Pilger sollten
zum Girivalam saubere Kleider tragen und in meditativer Stimmung
sein. Man darf auf dem Weg alle Arten von Wundern erwarten, und man
soll ein großzügiges Herz haben – der Bettler am Wegrand könnte
eine Inkarnation eines Verwandten sein, oder vielleicht sogar ein
verkleideter Gott! Nehmen Sie also viel kleines Geld zum Spenden mit,
Sie werden es brauchen, ich kam am ersten Tag praktisch pleite ins
Hotel zurück. Sogar meine Kekse für unterwegs haben sich die Kinder
geholt.
Es macht auch
einen Unterschied, an welchem Wochentag man den heiligen Berg
umrundet, jeder Tag steht für eine bestimmte Qualität des Girivalam
(nachzuschlagen z.B. hier:
http://www.arunachalasamudra.org/pradakshina_a.html
).
Es gibt sicherlich
noch eine Reihe weiterer Vorschriften für die Pilger, und ich habe
im Hotel auch gefragt, ob ich wohl in den Tempel gehen müsse, oder
bestimmte Rituale durchführen, aber der nette Rezeptionist hat nur
gelächelt und den Kopf geschüttelt. „For tourists – not
necessary!“
Gut, ich habe das
dann als eine Art Absolution für Nicht-Hindus genommen.
Ich war einfach
dort in Tiruvannamalai und bin gelaufen, ganz nahe bei meinem Apu,
und ich hatte das feste Vertrauen, daß das mehr als genug war, und
ich bin ganz sicher, daß ich einen großen Segen empfangen habe. Es
heißt, daß das Feuerelement des Hügels auch das schlimmste Karma
zu verbrennen vermag, und daß Siva denen, die ihn dort besuchen,
alle Wünsche erfüllt.
Und auch, daß es
schon eine große Menge gutes Karma erfordert, damit ein Mensch
überhaupt an diesen Ort gelangt. Oder ein Bild des Arunachala sieht.
Oder überhaupt nur an den Berg denkt!
Ich bin den
Girivalam an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gelaufen – einmal für
mich, und einmal für meine Tochter. Am zweiten Tag bin ich schon mit
Blasen an den Füßen gestartet, aber jede Mutter kann sich sicher
vorstellen, daß solche Kleinigkeiten kaum eine Rolle spielen, wenn
es um das Wohl des Kindes geht, auch wenn es das weniger greifbare
spirituelle Wohl ist.
Zum Glück habe
ich aber an diesem Tag in der Frühe noch die wunderbare Toby, eine
alleine reisende Psychotherapeutin aus Kalifornien, kennengelernt.
Wir sind zusammen gelaufen, haben geredet und erzählt wie das nur
unter Frauen passieren kann, wenn man sich gerade kennengelernt hat
und sich im nächsten Moment gleich das Herz ausschüttet wie unter
besten, alten Freundinnen.
Ich
habe bei ihr im Resort auch eine Pause eingelegt. Im Swimmingpool,
zum abkühlen und ausruhen. Sie hat meine Füße für den restlichen
Weg zu meinem Hotel mit Moleskin, einem sagenhaften Pflaster, welches
es offensichtlich nur in den Staaten gibt, versorgt, denn sonst hätte
ich diesen zweiten Girivalam wohl nur in der Riksha vollenden können.
Zugegeben,
der zweite Girivalam für mein Kind war weniger besinnlich, aber ich
vertraue darauf, daß Sivas Segen auch auf ihr liegt.
Freitag, 11. Januar 2013
Arunachala
Der Berg, oder vielleicht besser der
Hügel? Arunachala liegt in Tamil Nadu, Südindien, und ist eine
uralte Gesteinsformation, ein nur knapp 1000 m hoher erloschener
Vulkankegel aus rötlichem Stein. Es ist ein sehr heiliger, sehr
mystischer Ort, und es gibt Yogis, welche behaupten, der Arunachala
sei der heiligste Platz im gesamten Universum, denn der Gott Siva ist
hier Brahma und Vishnu in Form einer Feuersäule erschienen. Der
eigentlich viel bekanntere Berg Kailash in Tibet gilt als die
Wohnstatt Sivas und seiner Gefährtin Parvati, während der eher
versteckte Arunachala aber Siva selber als Feuerlingam ist. Und das
Element Feuer wiederum verbindet unsere dichte, physische Realität
mit den höheren den Dimensionen der Engel und Götter, es
durchdringt die Ebenen. Botschaften an die Götter im Rahmen einer
Feuerzeremonie gelten deshalb auch als besonders wirkungsvoll.
Den Arunachala anzuschauen, am besten
natürlich persönlich in und um Tiruvannamalai, ersatzweise aber
auch auf Bildern, ist dasselbe wie Gott von Angesicht zu Angesicht
sehen. Und die Erscheinung eines Gottes gilt als höchste Gnade, als
höchster Segen, den ein Mensch überhaupt empfangen kann. Rishi
Agastya sagt, daß keine spirituelle Praxis der rituellen Umrundung
des Arunachala, des Girivalam, ebenbürtig ist, denn schon ein
einziger Girivalam kann das Karma von zehn Millionen früheren Leben
auflösen. Auch heißt es, daß Millionen von erleuchteten
Siddha-Meistern die höheren Dimensionen um den Arunachala bevölkern,
und daß diese Siddhas die Pilger segnen. Sicherlich liegt auch der
Segen des Meisters Ramana Maharishi auf dem Ort, der als Jugendlicher
zum Arunachala gerufen wurde und fast sein ganzes Leben dort
verbrachte. Sein ganzes Wissen, seine ganze Weisheit verdanke er
alleine dem Berg, erklärte der Meister.
Die feinen, hohen Energien der Präsenz
Sivas und der Siddhas dort sollen auch der Grund dafür sein, daß
viele Besucher in Tiruvannamalai nicht schlafen können – aber
trotzdem kaum müde sind. Ich kann das bestätigen. Daheim eher
dauermüde und geschlaucht, am Fuß des Arunachla aber mit nur
wenigen Stunden Schlaf wach, ohne überdreht oder müde zu sein. Nur
in der ersten Nacht in Tiruvannamalai habe ich geschlafen wie ein
Kind – als ob mich eine liebevolle Präsenz hielte.
Dank an die Schamanen und Ahnenlinien
der Q´eros in Peru, deren heilige Einweihungs-Zeremonien mich zu
diesem Ort geführt haben!
Im Zeitalter des Internets, welches
hier den Segen über die Entfernung vermittelt, verweise ich noch
auf eine website, die vom Ramana Maharishi – Ashram in
Tiruvannamalai betrieben wird. Eine live-webcam überträgt minütlich
aktualisierte Bilder des Arunachala in alle Welt:
www.arunachala-live.com
Sonntag, 6. Januar 2013
Tiruvannamalai
Von Chennai nach Tiruvannamalai sind´s so um die 150 km Wegstrecke.
Es fahren wohl auch ziemlich komfortable Nachtbusse auf der Strecke,
aber weil die Entfernung für eine Nachtfahrt doch zu gering war und weil
ich auf mehrfaches Nachfragen nach einer Busverbindung im Hotel immer
direkt auf Koyambedu, Channais großen Busbahnhof, verwiesen worden bin,
hab ich es dann einfach genommen, wie´s kam. Ich hab hab mich in einen
der wirklich uralten Busse ohne Türen gesetzt und mich auf die
Fünfstundenfahrt nach Tiruvannamalai gemacht, mit dabei meinen großen
Trolley. Mit jenseits der 40 Jahre verspürte ich einfach keine Lust
mehr, mir als Rucksacktouristin einen abzuschleppen und nur zerknitterte Kleider zu tragen. Man wird offensichtlich
anspruchsvoll (oder zickig?) im Lauf der Zeit!
Und warum braucht der Bus für eine doch relativ geringe Entfernung einen guten halben Tag?
Es liegt überhaupt nicht daran, daß an jedem Gartenzaun angehalten wird. Es liegt an den Straßen. Die Straßen mit den tiefen Schlaglöchern und großen Beulen, welche dauernd umfahren werden müssen, erlauben einfach kein schnelleres Vorwärtskommen. In Indien ist eigentlich Linksverkehr, aber generell ist es außerhalb der Städte und weg von den großen autobahnähnlichen Straßen so, daß jeder auf der Seite fährt, wo die Strecke gerade am besten ist. Die Reihenfolge, oder vielleicht auch die Rangfolge?, der Fahrer hat wohl etwas mit PS-Stärke und Fahrzeuggröße zu tun, und ansonsten läuft die Kommunikation über die Hupe.
Mir ist auch aufgefallen, daß manchmal ein ungefähr Parkbucht-großes Stück der Landstraße einfach abgesperrt wurde, weil Bauern dort ihre Gewürze getrocknet haben. Man nimmt es dort mit Geduld, aber stellen Sie sich mal unsere Polizei vor, und auch die anderen Verkehrsteilnehmer, wenn ich mal eben rausfahren würde und mir dort ein Stückchen von der Bundesstraße abgrenze, weil´s auf dem Teer so schön trocken und heiß ist und meine Ware da besser dörrt als daheim im Hof auf der Erde. Da fehlen uns einfach die Worte! Dinge wie diese liegen einfach außerhalb unserer Vorstellungen. Oder wenn mitten auf der Autobahn mal eben das Fahrzeug geparkt wird und Leute pinkeln gehen. Raststätten gibt’s ja nicht, also tut man das naheliegende.
Ich erzähle das alles nicht, weil ich mich westlich überlegen und zivilisiert fühle, sondern weil ich einfach die völlig anderen Denk- und Verhaltensweisen zeigen möchte. Ich habe es mit Staunen genossen. Es hat mir auf eine gewisse Art das Hirn durchlüftet, weil viele Dinge, die im europäischen Denksystem einfach unmöglich sind, dort ganz alltäglich und normal erscheinen. Das sich-einlassen auf das Land hatte insofern etwas von Brainstorming und davon, Denkblockaden einfach wegzuwischen. Viele Dinge sind in Indien unglaublich einfach, während andere Sachen, gerade wenn die betonköpfige Bürokratie ins Spiel kommt, wohl entsetzlich kompliziert sind und nur als reine Tortur bezeichnet werden können. Aber zum Glück ist die Bürokratie dort meist fern!
Man fährt durch wunderschöne Landschaft und quirlige Städte auf dem Weg nach Tiruvannamalai: Um Gingee mit seiner bekannten Festung herum führt der Weg durch eine Hügellandschaft aus rotem Stein, die wirklich Lust machte, darin zu wandern. Ich hab´s mir verkniffen mit meinem Trolley dort auszusteigen!
Als die ersten Schilder Tiruvannamalai anzeigten, kamen mir die Tränen, ohne daß ich wußte warum. Ich bin nicht wirklich hellsichtig, aber da ich habe sehen können, wie ein alter, dunkler Schatten über meinem Herzzentrum weggewischt wurde. Ich habe mit mir gekämpft und gekämpft, denn die Inder wundern sich sowieso schon genug, wenn sich eine Touristin in einem Bus in diese Landstriche verirrt. Da braucht sie nicht auch noch weinen.
Irgendwann hat sich dann der Berg Arunachala in der Ferne abgezeichnet, ich hab ihn gleich erkannt. Mein Berg! Der Grund meiner ganzen Reise! Roter Fels, ein uralter erloschener Vulkan. Menschen, welche die Energien sehen können, sagen, daß er eine ganz lichte Aura um sich hat.
Tiruvannamalai ist die Stadt am Fuß des Berges, für indische Verhältnisse nicht besonders groß mit ca. 130 000 Einwohnern, ein Pilgerort, der zu Vollmondzeiten oder insbesondere zu Deepam, einem großen alljährlichen religiösen Fest zum Jahresende hin, von gläubigen Hindus regelrecht überrannt wird.
Mein Hotel dort war sooo schön, für die verwöhnte Deutsche mit modernem Bad und großem Bett ausgestattet und mit den freundlichsten und hilfsbereitesten Angestellten überhaupt. Ich denke immer noch an diese besonderen Menschen dort, die nicht nur professionell und serviceorientiert waren, sondern denen es wirklich ein Herzensanliegen war, zu helfen und den Aufenthalt dort angenehm und schön zu gestalten. Es war nicht nur ein gutes Hotel mit westlichem Standard, es war dort etwas von wirklicher Gastfreundschaft zu spüren.
Nach meiner Ankunft bin ich gleich in die Stadt, in den Tempel. In Tiruvannamalai befindet sich der Arunachaleswara-Tempel, eine der größten Tempelanlagen Südindiens, ungefähr 10 ha in der Fläche und mit vier großen Gopurams in jede Himmelsrichtung. Hier wird der Gott Siva in seiner Erscheinung als Arunachala verehrt. Ich durfte sogar zum Darshan ins Allerheiligste in den innersten Bereich, dorthin, wo der heilige Siva-Lingam steht und wo die Gläubigen alleine durch den Anblick des Symbols der Gottheit Segen empfangen.
Im Reiseführer steht, daß in Indien Touristen nie in die inneren Bereiche dürfen, und daß es keine Ausnahmen für Nicht-Hindus gibt, egal wie ärgerlich das für die weitgereisten Ausländer auch sein mag. Selbst Auslands-Inder hätten mit Schwierigkeiten zu rechnen.
Ich kann das nicht bestätigen, ich durfte überall rein.
Vielleicht haben sich ja die Vorschriften geändert? Oder vielleicht haben mich die Hindus auch als eine der ihren adoptiert!
Und warum braucht der Bus für eine doch relativ geringe Entfernung einen guten halben Tag?
Es liegt überhaupt nicht daran, daß an jedem Gartenzaun angehalten wird. Es liegt an den Straßen. Die Straßen mit den tiefen Schlaglöchern und großen Beulen, welche dauernd umfahren werden müssen, erlauben einfach kein schnelleres Vorwärtskommen. In Indien ist eigentlich Linksverkehr, aber generell ist es außerhalb der Städte und weg von den großen autobahnähnlichen Straßen so, daß jeder auf der Seite fährt, wo die Strecke gerade am besten ist. Die Reihenfolge, oder vielleicht auch die Rangfolge?, der Fahrer hat wohl etwas mit PS-Stärke und Fahrzeuggröße zu tun, und ansonsten läuft die Kommunikation über die Hupe.
Mir ist auch aufgefallen, daß manchmal ein ungefähr Parkbucht-großes Stück der Landstraße einfach abgesperrt wurde, weil Bauern dort ihre Gewürze getrocknet haben. Man nimmt es dort mit Geduld, aber stellen Sie sich mal unsere Polizei vor, und auch die anderen Verkehrsteilnehmer, wenn ich mal eben rausfahren würde und mir dort ein Stückchen von der Bundesstraße abgrenze, weil´s auf dem Teer so schön trocken und heiß ist und meine Ware da besser dörrt als daheim im Hof auf der Erde. Da fehlen uns einfach die Worte! Dinge wie diese liegen einfach außerhalb unserer Vorstellungen. Oder wenn mitten auf der Autobahn mal eben das Fahrzeug geparkt wird und Leute pinkeln gehen. Raststätten gibt’s ja nicht, also tut man das naheliegende.
Ich erzähle das alles nicht, weil ich mich westlich überlegen und zivilisiert fühle, sondern weil ich einfach die völlig anderen Denk- und Verhaltensweisen zeigen möchte. Ich habe es mit Staunen genossen. Es hat mir auf eine gewisse Art das Hirn durchlüftet, weil viele Dinge, die im europäischen Denksystem einfach unmöglich sind, dort ganz alltäglich und normal erscheinen. Das sich-einlassen auf das Land hatte insofern etwas von Brainstorming und davon, Denkblockaden einfach wegzuwischen. Viele Dinge sind in Indien unglaublich einfach, während andere Sachen, gerade wenn die betonköpfige Bürokratie ins Spiel kommt, wohl entsetzlich kompliziert sind und nur als reine Tortur bezeichnet werden können. Aber zum Glück ist die Bürokratie dort meist fern!
Man fährt durch wunderschöne Landschaft und quirlige Städte auf dem Weg nach Tiruvannamalai: Um Gingee mit seiner bekannten Festung herum führt der Weg durch eine Hügellandschaft aus rotem Stein, die wirklich Lust machte, darin zu wandern. Ich hab´s mir verkniffen mit meinem Trolley dort auszusteigen!
Als die ersten Schilder Tiruvannamalai anzeigten, kamen mir die Tränen, ohne daß ich wußte warum. Ich bin nicht wirklich hellsichtig, aber da ich habe sehen können, wie ein alter, dunkler Schatten über meinem Herzzentrum weggewischt wurde. Ich habe mit mir gekämpft und gekämpft, denn die Inder wundern sich sowieso schon genug, wenn sich eine Touristin in einem Bus in diese Landstriche verirrt. Da braucht sie nicht auch noch weinen.
Irgendwann hat sich dann der Berg Arunachala in der Ferne abgezeichnet, ich hab ihn gleich erkannt. Mein Berg! Der Grund meiner ganzen Reise! Roter Fels, ein uralter erloschener Vulkan. Menschen, welche die Energien sehen können, sagen, daß er eine ganz lichte Aura um sich hat.
Tiruvannamalai ist die Stadt am Fuß des Berges, für indische Verhältnisse nicht besonders groß mit ca. 130 000 Einwohnern, ein Pilgerort, der zu Vollmondzeiten oder insbesondere zu Deepam, einem großen alljährlichen religiösen Fest zum Jahresende hin, von gläubigen Hindus regelrecht überrannt wird.
Mein Hotel dort war sooo schön, für die verwöhnte Deutsche mit modernem Bad und großem Bett ausgestattet und mit den freundlichsten und hilfsbereitesten Angestellten überhaupt. Ich denke immer noch an diese besonderen Menschen dort, die nicht nur professionell und serviceorientiert waren, sondern denen es wirklich ein Herzensanliegen war, zu helfen und den Aufenthalt dort angenehm und schön zu gestalten. Es war nicht nur ein gutes Hotel mit westlichem Standard, es war dort etwas von wirklicher Gastfreundschaft zu spüren.
Nach meiner Ankunft bin ich gleich in die Stadt, in den Tempel. In Tiruvannamalai befindet sich der Arunachaleswara-Tempel, eine der größten Tempelanlagen Südindiens, ungefähr 10 ha in der Fläche und mit vier großen Gopurams in jede Himmelsrichtung. Hier wird der Gott Siva in seiner Erscheinung als Arunachala verehrt. Ich durfte sogar zum Darshan ins Allerheiligste in den innersten Bereich, dorthin, wo der heilige Siva-Lingam steht und wo die Gläubigen alleine durch den Anblick des Symbols der Gottheit Segen empfangen.
Im Reiseführer steht, daß in Indien Touristen nie in die inneren Bereiche dürfen, und daß es keine Ausnahmen für Nicht-Hindus gibt, egal wie ärgerlich das für die weitgereisten Ausländer auch sein mag. Selbst Auslands-Inder hätten mit Schwierigkeiten zu rechnen.
Ich kann das nicht bestätigen, ich durfte überall rein.
Vielleicht haben sich ja die Vorschriften geändert? Oder vielleicht haben mich die Hindus auch als eine der ihren adoptiert!
Donnerstag, 3. Januar 2013
Palmblatt-Bibliotheken
Haben Sie schon von den faszinierenden
Palmblatt-Bibiotheken Südindiens gehört?
Es heißt, daß die Rishis, die Weisen
des alten Indiens, die Fähigkeit hatten, die Zeit in Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft zu überblicken. Sie konnten sehen, wie eine
Seele viele Inkarnationen durchlebte, um schließlich zu einem
bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu kommen, um ihre dort
ureigene Geschichte zu erfragen. Diese Geschichte haben die Rishis in
klitzekleiner alter tamilischer Schrift in Palmblätter eingraviert,
unterteilt in 13 Kapitel, von denen eines sich den Heilmitteln und
Ritualen widmet, die zur Erleichterung der karmischen Lasten aus
vielen Leben durchgeführt werden sollen.
Während der Kolonialzeit der Briten
sind viele dieser Palmblattsammlungen verschwunden oder zerstört
worden, es gab jedoch auch indische Familien, die den Wert dieser
Nadi-Blätter kannten und sie aufkauften, um sie sorgfältig zu
pflegen und für die Zukunft aufzubewahren. Heute können Sie deshalb
zu speziell ausgebildeten Nadi-Astrologen gehen um zu sehen, ob Ihr
persönliches Blatt existiert. Dies entscheidet sich anhand Ihres
Daumenabdruckes und diverser Fragen, auf die Sie immer nur mit „ja“
oder „nein“ antworten müssen.
Ich hab´s probiert, ich war beim
Nadi-Astrologen. An einem Tag wurde ich identifiziert, am anderen
wurden mir die Kapitel vorgelesen. Dies geschieht in Form eines
Gedichtes, und bei mir war ein noch Übersetzer anwesend, weil die
alttamilische Sprache nicht eben zu meinen besten Fähigkeiten gehört.
Ob die Lesung und das, was über meine
vergangen Leben erzählt wurde, so wirklich original und authentisch
ist? Ich möchte das weder behaupten noch bestreiten. Ich bin da
etwas skeptisch. Die gute Nachricht ist aber, daß der Astrologe nach
der Identifizierung meines Nadis meine Geburtsdaten bekommen hat, um
auch damit zu arbeiten und Heilmittel zu finden. Und in diese Arbeit
habe ich wirklich Vertrauen.
So kam es also, daß ich drei Tage im
Moloch Chennai geblieben bin, bleiben musste!!, während denen ich
die indischen Kleidungshäuser nach passenden Salwars durchwühlt
habe, mich durch indisch-vegetarische Restaurants futterte um
schließlich, mit den Anweisungen für die Heilmittel in der Tasche,
nach Tiruvannamalai zum Arunachala weitergereist bin.
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Sonntag, 30. Dezember 2012
Der Berg ruft...
Berge rufen?? Und wenn ja, macht das
nur das Matterhorn im entsprechenden Film? Verhalten sich denn auch
noch andere so? Schallen die Rufe der Berge quer durch die Welt? Oder
geht’s hier etwa doch um die alljährliche Erlanger Bergkirchweih
zu Pfingsten, die unter dem selbem Motto steht?
Meiner Erfahrung nach kann ich sagen...
Ja, Berge können tatsächlich rufen. Mich hat mal einer gerufen. Es
war nach einer Einweihung, nach dem Alto Mesayoq – Ritus. Und schon
muss ich abschweifen, ausholen: Ein Alto Mesayoq ist ein Schamane
Perus, ein Q´ero-Schamane, der besonders mit den Geistern der Berge
verbunden ist. Die Q´ eros wiederum, um vom abschweifen
abzuschweifen, sind ein Stamm Indigener, die von sich sagen, die
direkten Nachfahren der Inka zu sein. Für sehr lange Zeit und seit der
Eroberung durch die Spanier sind sie in die unwirtlichen Höhen der
Anden geflüchtet um dort zu überleben. Ihre Kultur und
Tradition gilt als sehr rein und unbeeinflusst. Erst in den 50er
Jahren kamen sie aus ihrer Abgeschiedenheit zurück und zeigten sich der
Welt.
Also, nochmal: Ich empfange die Alto
Mesayoq – Einweihung, der Same wird gelegt, und wer berufen ist
oder eine Verbindung zu den Bergwesen, den Apus, hat, wird einen Ruf
hören. Ich konnte es kaum fassen, was ich da bei meinem
schamanischen Seminar hörte. Das ging sogar mir ein bißchen zu
weit. Was sollte das sein, der Ruf eines Apu? Vielleicht eine
Traumerscheinung? Man versicherte mir aber, mitten in Deutschland und
aus seriösem Munde, daß wenn ich überhaupt gerufen würde, die
Sache eindeutig und klar sei. Wie auch immer der Ruf dann aussehen
würde.
Nachdem ich nochmal drüber nachgedacht
habe kam ich zu dem Schluß, daß ich, wenn ich denn gerufen würde,
die Sache wohl eh´nicht verstehen würde, oder aber, was noch viel
wahrscheinlicher sei, ich gar nicht berufen sein würde. Wie auch.
Bei dem ganzen Training, durch das ich mich zwei Jahre gequält habe
(ich betone: gequält!), weil ich nämlich am Ende war mit burn out,
Depressionen, Schlaflosigkeit, latenten Suizidgedanken, ohne
Perspektiven, dafür mit entsetzlichen Gedankenkarussellen, der
ganzen Packung also, war ich nie das schamanische Licht... Eher so
der Depp... Völlig deplatziert als nüchterner Mensch unter
feinfühligen Profi-Esoterikern (man verzeihe die Spitze, es waren
auch wunderbare Menschen dort, zwei meiner jetzt allerbesten Freunde,
und ich bin froh, die beiden zu kennen)... Aber das ist wieder eine
ganz andere Geschichte, und ich erzähle sie vielleicht später.
Als ich an einem Sonntag Abend
jedenfalls, am Tag nach der besagten Einweihung, zum Flughafen fuhr
um meine Tochter abzuholen, wie immer in irgendwelchen unsinnigen
Alltagsgedanken versunken, hörte ich laut und deutlich in meinem
Kopf das Wort „Arunachala!!“ klingen. Hoppla, wie der Franke
sagt. War das ein Ruf?? Ich wusste, der Arunachala ist ein Berg. In
Indien, irgendwo im Süden. Hab ich schon mal gehört. Einmal im Jahr
werden dort rituell Feuer angezündet. Und das war dann im Grunde
schon alles.
Daheim, nach einer Internet-Recherche
wusste ich: Dieser Berg ist bekannt für sowas. Den hochverehrten
Ramana Maharishi hat er auch gerufen, und nie wieder losgelassen,
aber ansonsten waren und sind da noch viele andere, bekannte und
unbekannte Pilger, die ihm zuströmen, weil er sie zu sich zieht. Und
auch den Apu des Berges kennt man: Es ist der Gott Siva selber. Der,
der mich immer so berührt hat, in Bildern und Darstellungen, in
Geschichten über ihn, und auch durch die Bhajans, die
hingebungsvollen religiösen Gesänge, welche mich zu Tränen rühren
können. Nehmen wir zum Beispiel den wundervollen Rudrastakam, von
Swami Tulsidas vor vielen Jahrhunderten komponiert, und gesungen vom
verehrten Ramesh Bhai Oza. Sehe ich mir noch eine gute Übersetzung
des Textes aus dem Sanskrit an - schon ist es passiert.
Und am anderen Morgen, als ich mich
wieder im Internet eingeloggt habe, um wie alle Tage in der Frühe
die Morgenzeitung online zu lesen, war ein Lesezeichen zur live
webcam mit minütlich aktualisierten Bildern des Arunachala in meiner
Symbolleiste abgelegt. Mitten drin, zwischen den links zur e-mail, zu
meinen bevorzugten Zeitungen und Blogs. Ich schwör´s. Ich war mir
keine Sekunde bewusst, das Lesezeichen gesetzt zu haben.
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Standort:
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