Berge rufen?? Und wenn ja, macht das
nur das Matterhorn im entsprechenden Film? Verhalten sich denn auch
noch andere so? Schallen die Rufe der Berge quer durch die Welt? Oder
geht’s hier etwa doch um die alljährliche Erlanger Bergkirchweih
zu Pfingsten, die unter dem selbem Motto steht?
Meiner Erfahrung nach kann ich sagen...
Ja, Berge können tatsächlich rufen. Mich hat mal einer gerufen. Es
war nach einer Einweihung, nach dem Alto Mesayoq – Ritus. Und schon
muss ich abschweifen, ausholen: Ein Alto Mesayoq ist ein Schamane
Perus, ein Q´ero-Schamane, der besonders mit den Geistern der Berge
verbunden ist. Die Q´ eros wiederum, um vom abschweifen
abzuschweifen, sind ein Stamm Indigener, die von sich sagen, die
direkten Nachfahren der Inka zu sein. Für sehr lange Zeit und seit der
Eroberung durch die Spanier sind sie in die unwirtlichen Höhen der
Anden geflüchtet um dort zu überleben. Ihre Kultur und
Tradition gilt als sehr rein und unbeeinflusst. Erst in den 50er
Jahren kamen sie aus ihrer Abgeschiedenheit zurück und zeigten sich der
Welt.
Also, nochmal: Ich empfange die Alto
Mesayoq – Einweihung, der Same wird gelegt, und wer berufen ist
oder eine Verbindung zu den Bergwesen, den Apus, hat, wird einen Ruf
hören. Ich konnte es kaum fassen, was ich da bei meinem
schamanischen Seminar hörte. Das ging sogar mir ein bißchen zu
weit. Was sollte das sein, der Ruf eines Apu? Vielleicht eine
Traumerscheinung? Man versicherte mir aber, mitten in Deutschland und
aus seriösem Munde, daß wenn ich überhaupt gerufen würde, die
Sache eindeutig und klar sei. Wie auch immer der Ruf dann aussehen
würde.
Nachdem ich nochmal drüber nachgedacht
habe kam ich zu dem Schluß, daß ich, wenn ich denn gerufen würde,
die Sache wohl eh´nicht verstehen würde, oder aber, was noch viel
wahrscheinlicher sei, ich gar nicht berufen sein würde. Wie auch.
Bei dem ganzen Training, durch das ich mich zwei Jahre gequält habe
(ich betone: gequält!), weil ich nämlich am Ende war mit burn out,
Depressionen, Schlaflosigkeit, latenten Suizidgedanken, ohne
Perspektiven, dafür mit entsetzlichen Gedankenkarussellen, der
ganzen Packung also, war ich nie das schamanische Licht... Eher so
der Depp... Völlig deplatziert als nüchterner Mensch unter
feinfühligen Profi-Esoterikern (man verzeihe die Spitze, es waren
auch wunderbare Menschen dort, zwei meiner jetzt allerbesten Freunde,
und ich bin froh, die beiden zu kennen)... Aber das ist wieder eine
ganz andere Geschichte, und ich erzähle sie vielleicht später.
Als ich an einem Sonntag Abend
jedenfalls, am Tag nach der besagten Einweihung, zum Flughafen fuhr
um meine Tochter abzuholen, wie immer in irgendwelchen unsinnigen
Alltagsgedanken versunken, hörte ich laut und deutlich in meinem
Kopf das Wort „Arunachala!!“ klingen. Hoppla, wie der Franke
sagt. War das ein Ruf?? Ich wusste, der Arunachala ist ein Berg. In
Indien, irgendwo im Süden. Hab ich schon mal gehört. Einmal im Jahr
werden dort rituell Feuer angezündet. Und das war dann im Grunde
schon alles.
Daheim, nach einer Internet-Recherche
wusste ich: Dieser Berg ist bekannt für sowas. Den hochverehrten
Ramana Maharishi hat er auch gerufen, und nie wieder losgelassen,
aber ansonsten waren und sind da noch viele andere, bekannte und
unbekannte Pilger, die ihm zuströmen, weil er sie zu sich zieht. Und
auch den Apu des Berges kennt man: Es ist der Gott Siva selber. Der,
der mich immer so berührt hat, in Bildern und Darstellungen, in
Geschichten über ihn, und auch durch die Bhajans, die
hingebungsvollen religiösen Gesänge, welche mich zu Tränen rühren
können. Nehmen wir zum Beispiel den wundervollen Rudrastakam, von
Swami Tulsidas vor vielen Jahrhunderten komponiert, und gesungen vom
verehrten Ramesh Bhai Oza. Sehe ich mir noch eine gute Übersetzung
des Textes aus dem Sanskrit an - schon ist es passiert.
Und am anderen Morgen, als ich mich
wieder im Internet eingeloggt habe, um wie alle Tage in der Frühe
die Morgenzeitung online zu lesen, war ein Lesezeichen zur live
webcam mit minütlich aktualisierten Bildern des Arunachala in meiner
Symbolleiste abgelegt. Mitten drin, zwischen den links zur e-mail, zu
meinen bevorzugten Zeitungen und Blogs. Ich schwör´s. Ich war mir
keine Sekunde bewusst, das Lesezeichen gesetzt zu haben.
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