Sonntag, 30. Dezember 2012

Indien


Was wird nicht alles über dieses Land geschrieben...
Ein „Anschlag auf die Sinne“ sei es, ein „Land der Extreme“, eine „Herausforderung“, und auch, daß man es entweder lieben oder hassen muss, und manchmal auch beides gleichzeitig tut.

Nun ja. Meine Sinne sind sicher nicht unsensibel, lassen sich aber von dieser Seite her nicht veranschlagen. Extreme haben wir in Deutschland ebenso (im Süden Berge, im Norden das Meer, in Indien ist´s halt umgekehrt), es gibt jede Menge sehr Reiche und laut Statistik werden es immer mehr bei einer gleichzeitig steigenden Zahl von Menschen, die die Stromrechnung nicht begleichen können. Und welche Frau könnte ihren Mann nicht manchmal erschlagen?? Andersrum ist das wohl genauso.
Was an diesen einigermaßen hilflosen Etikettierungen für Indien deutlich wird, ist meines Erachtens die Tatsache, daß es sich unseren westlichen, insbesondere unseren deutschen, Definitionen und Maßstäben völlig entzieht. Hermann Hesse hat mal sinngemäß sowas gesagt wie daß Indien für all jene, die einmal mit dem Herzen dort waren, immer ein Heimwehland bleiben wird. Und das ist das Geheimnis – es geht um´s Herz. Es geht um das persönliche. Und damit bildet wohl der gesamte Subkontinent mitsamt seinen Bewohnern einen vollkommenen Gegensatz zu unserer Kultur, zu unserer Lebensart und, diesen Prägungen geschuldet, letztlich sogar zu unseren Persönlichkeiten.

Sollten Sie jemals nach Indien fahren, erlauben Sie mir, Ihnen das folgende mitzugeben: Lassen Sie alles hinter sich und tauchen Sie einfach ein. Vergessen Sie Vorschriften, legen Sie keine Maßstäbe an, urteilen Sie nicht. Gehen Sie einfach hin wie ein Kind, schauen Sie, nehmen Sie auf, nehmen Sie hin, und haben Sie Zeit. Ich verspreche, dann werden Sie eine wundervolle Zeit erleben, mit Menschen, die Anteil nehmen, die auf respektvolle Weise persönliches Interesse an Ihnen zeigen, die hilfsbereit sind ohne aufdringlich oder arrogant zu sein, die neidlos ihren relativen westlichen Reichtum anerkennen, die Ihnen nahe kommen ohne die Grenzen zu überschreiten. Lassen Sie sich auf allgegenwärtige und öffentlich gelebte Religiosität ein, auf jahrtausende alte Kultur, auf heilige Plätze mit ganz besonderen, selbst für Westler spürbaren, Energien und Atmosphären, und freuen Sie sich an wunderschöner Landschaft.

Lassen Sie sich durch dieses Land tragen – ich hab´s probiert, es geht wirklich.



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