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Donnerstag, 3. Januar 2013

Palmblatt-Bibliotheken

Haben Sie schon von den faszinierenden Palmblatt-Bibiotheken Südindiens gehört?

Es heißt, daß die Rishis, die Weisen des alten Indiens, die Fähigkeit hatten, die Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu überblicken. Sie konnten sehen, wie eine Seele viele Inkarnationen durchlebte, um schließlich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu kommen, um ihre dort ureigene Geschichte zu erfragen. Diese Geschichte haben die Rishis in klitzekleiner alter tamilischer Schrift in Palmblätter eingraviert, unterteilt in 13 Kapitel, von denen eines sich den Heilmitteln und Ritualen widmet, die zur Erleichterung der karmischen Lasten aus vielen Leben durchgeführt werden sollen.

Während der Kolonialzeit der Briten sind viele dieser Palmblattsammlungen verschwunden oder zerstört worden, es gab jedoch auch indische Familien, die den Wert dieser Nadi-Blätter kannten und sie aufkauften, um sie sorgfältig zu pflegen und für die Zukunft aufzubewahren. Heute können Sie deshalb zu speziell ausgebildeten Nadi-Astrologen gehen um zu sehen, ob Ihr persönliches Blatt existiert. Dies entscheidet sich anhand Ihres Daumenabdruckes und diverser Fragen, auf die Sie immer nur mit „ja“ oder „nein“ antworten müssen.

Ich hab´s probiert, ich war beim Nadi-Astrologen. An einem Tag wurde ich identifiziert, am anderen wurden mir die Kapitel vorgelesen. Dies geschieht in Form eines Gedichtes, und bei mir war ein noch Übersetzer anwesend, weil die alttamilische Sprache nicht eben zu meinen besten Fähigkeiten gehört.
Ob die Lesung und das, was über meine vergangen Leben erzählt wurde, so wirklich original und authentisch ist? Ich möchte das weder behaupten noch bestreiten. Ich bin da etwas skeptisch. Die gute Nachricht ist aber, daß der Astrologe nach der Identifizierung meines Nadis meine Geburtsdaten bekommen hat, um auch damit zu arbeiten und Heilmittel zu finden. Und in diese Arbeit habe ich wirklich Vertrauen.

So kam es also, daß ich drei Tage im Moloch Chennai geblieben bin, bleiben musste!!, während denen ich die indischen Kleidungshäuser nach passenden Salwars durchwühlt habe, mich durch indisch-vegetarische Restaurants futterte um schließlich, mit den Anweisungen für die Heilmittel in der Tasche, nach Tiruvannamalai zum Arunachala weitergereist bin.