Haben Sie schon von den faszinierenden
Palmblatt-Bibiotheken Südindiens gehört?
Es heißt, daß die Rishis, die Weisen
des alten Indiens, die Fähigkeit hatten, die Zeit in Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft zu überblicken. Sie konnten sehen, wie eine
Seele viele Inkarnationen durchlebte, um schließlich zu einem
bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu kommen, um ihre dort
ureigene Geschichte zu erfragen. Diese Geschichte haben die Rishis in
klitzekleiner alter tamilischer Schrift in Palmblätter eingraviert,
unterteilt in 13 Kapitel, von denen eines sich den Heilmitteln und
Ritualen widmet, die zur Erleichterung der karmischen Lasten aus
vielen Leben durchgeführt werden sollen.
Während der Kolonialzeit der Briten
sind viele dieser Palmblattsammlungen verschwunden oder zerstört
worden, es gab jedoch auch indische Familien, die den Wert dieser
Nadi-Blätter kannten und sie aufkauften, um sie sorgfältig zu
pflegen und für die Zukunft aufzubewahren. Heute können Sie deshalb
zu speziell ausgebildeten Nadi-Astrologen gehen um zu sehen, ob Ihr
persönliches Blatt existiert. Dies entscheidet sich anhand Ihres
Daumenabdruckes und diverser Fragen, auf die Sie immer nur mit „ja“
oder „nein“ antworten müssen.
Ich hab´s probiert, ich war beim
Nadi-Astrologen. An einem Tag wurde ich identifiziert, am anderen
wurden mir die Kapitel vorgelesen. Dies geschieht in Form eines
Gedichtes, und bei mir war ein noch Übersetzer anwesend, weil die
alttamilische Sprache nicht eben zu meinen besten Fähigkeiten gehört.
Ob die Lesung und das, was über meine
vergangen Leben erzählt wurde, so wirklich original und authentisch
ist? Ich möchte das weder behaupten noch bestreiten. Ich bin da
etwas skeptisch. Die gute Nachricht ist aber, daß der Astrologe nach
der Identifizierung meines Nadis meine Geburtsdaten bekommen hat, um
auch damit zu arbeiten und Heilmittel zu finden. Und in diese Arbeit
habe ich wirklich Vertrauen.
So kam es also, daß ich drei Tage im
Moloch Chennai geblieben bin, bleiben musste!!, während denen ich
die indischen Kleidungshäuser nach passenden Salwars durchwühlt
habe, mich durch indisch-vegetarische Restaurants futterte um
schließlich, mit den Anweisungen für die Heilmittel in der Tasche,
nach Tiruvannamalai zum Arunachala weitergereist bin.