Chennai, das frühere Madras, ist die
Hauptstadt des südöstlichsten indischen Bundesstaates Tamil Nadu
und ein Moloch mit fast fünf Millionen Einwohnern. Lieben Sie z.B.
Kairo, Bangkok oder andere asiatische und afrikanische Großstädte?
Wunderbar! Wenn das so ist, dann besuchen Sie doch auch mal Chennai!
Die sechstgrößte Stadt des Subkontinents ist hübsch an der
Koromandelküste am Golf von Benagalen gelegen, und ein lokales,
stetig wachsendes Wirtschaftszentrum. Diverse Fluggesellschaften
fliegen teilweise mehrmals täglich von allen großen deutschen
Flughäfen, inklusive stop over in Dubai sind Sie auch nur um die 13
Stunden unterwegs.
Wenn Sie es aber auch nur ein
klitzekleines bißchen beschaulicher mögen, so wie ich als geborenes
Landei etwa, dann sehen Sie besser zu, daß Sie Land gewinnen. Tun
Sie sich das nicht an. Auch ohne Zyklonausläufer, Sturm, schweren
Regen und überflutete Straßen ist Chennai anstrengend genug. Die
Hotels sind verhältnismäßig teuer, die Straßen überfüllt, Kühe
sind wie überall in Indien auch hier durchaus mit unterwegs, es ist
heiß und staubig oder wahlweise auch feuchtheiß und staubig, an
den Abgasgeruch gewöhnt man sich kaum, und bis auf ein paar ruhigere
Stunden in der Nacht erwartet Sie das allgegenwärtige indische
Hupkonzert.
Positiv und erlebenswert ist, hier geht
es weit indischer und damit landestypischer zu als in anderen
Großstädten, die sich mehr auf internationale Gäste und
Bedürfnisse einstellen. Ich habe in Chennai beispielsweise weder große
internationale Drogerien noch H & M oder Chanel gefunden. Chennai
kauft lieber bei Pothy´s oder Kumaran ein. Das sind riesige
Bekleidungshäuser, die auf mehreren Etagen dafür Sorge tragen, daß
Damen, Herren und Kinder zu allen Gelegenheiten traditionell
ordentlich indisch eingekleidet sind. Für Damen gibt es Saris und
dreiteilige Salwar Kameez aus Hose, Bluse und Schal, sowohl fertig
konfektioniert als auch beim hauseigenen Schneider in
Extraanfertigung geordert. Wenn Sie sich schon einfacherweise für
die „ready mades“ interessieren, rechnen Sie dennoch damit, daß
im Grunde jedes Teil ein Einzelstück ist. Fragen wie „Hätten Sie
das Teil hier auch eine Nummer größer?“ oder „Gibt´s das auch
noch in Blau?“ sind völlig sinnlos, und nicht etwa wegen
sprachlicher Probleme. Vergessen Sie´s, so läuft das nicht. Es gibt nicht wie bei uns Modefarben, must-haves und einen Schnitt in allen Größen und mehreren Farben zur Auswahl. Es gibt
das, was da ist, und das ist eine ganze Menge, es gibt aber eben auch nur
das.
Ich hab mich auch gleich versorgt!
Hätte stundenlang wühlen können, und die Verkäufer dort sind auch
die reinsten Engel an Geduld und Hilfsbereitschaft. Einen Sari kann
ich leider nicht wickeln, man muss es sich ja auch nicht zu schwer
machen, aber ein Salwar ist einfach eine wunderschön aufeinander
abgestimmte Kombination. Sehr weiblich und schmeichelhaft auch für
Figuren, die wir mit unseren strengen westlichen Augen in die B-Riege verweisen. Es ging also rasend schnell, und keiner hätt´s mehr
gedacht daß ich eigentlich keine Inderin bin!! Nun ja, bis auf die Sommersprossen, die
rötlichen Haare und die sehr helle Haut halt.
Und vielleicht fragen Sie jetzt
noch, ob ich nur wegen des jet lags und zwecks Akklimatisierung und
Geschenke shoppen drei ganze Tage in Chennai verbracht habe. Und ich
antworte Ihnen dann, nein, Kleider kaufen kann man auch anderswo.
Der
Grund war ein ganz anderer, ich hatte Termine dort.
Wo?
Beim indischen Astrologen.