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Dienstag, 1. Januar 2013

Chennai

Chennai, das frühere Madras, ist die Hauptstadt des südöstlichsten indischen Bundesstaates Tamil Nadu und ein Moloch mit fast fünf Millionen Einwohnern. Lieben Sie z.B. Kairo, Bangkok oder andere asiatische und afrikanische Großstädte? Wunderbar! Wenn das so ist, dann besuchen Sie doch auch mal Chennai! Die sechstgrößte Stadt des Subkontinents ist hübsch an der Koromandelküste am Golf von Benagalen gelegen, und ein lokales, stetig wachsendes Wirtschaftszentrum. Diverse Fluggesellschaften fliegen teilweise mehrmals täglich von allen großen deutschen Flughäfen, inklusive stop over in Dubai sind Sie auch nur um die 13 Stunden unterwegs.

Wenn Sie es aber auch nur ein klitzekleines bißchen beschaulicher mögen, so wie ich als geborenes Landei etwa, dann sehen Sie besser zu, daß Sie Land gewinnen. Tun Sie sich das nicht an. Auch ohne Zyklonausläufer, Sturm, schweren Regen und überflutete Straßen ist Chennai anstrengend genug. Die Hotels sind verhältnismäßig teuer, die Straßen überfüllt, Kühe sind wie überall in Indien auch hier durchaus mit unterwegs, es ist heiß und staubig oder wahlweise auch feuchtheiß und staubig, an den Abgasgeruch gewöhnt man sich kaum, und bis auf ein paar ruhigere Stunden in der Nacht erwartet Sie das allgegenwärtige indische Hupkonzert.

Positiv und erlebenswert ist, hier geht es weit indischer und damit landestypischer zu als in anderen Großstädten, die sich mehr auf internationale Gäste und Bedürfnisse einstellen. Ich habe in Chennai beispielsweise weder große internationale Drogerien noch H & M oder Chanel gefunden. Chennai kauft lieber bei Pothy´s oder Kumaran ein. Das sind riesige Bekleidungshäuser, die auf mehreren Etagen dafür Sorge tragen, daß Damen, Herren und Kinder zu allen Gelegenheiten traditionell ordentlich indisch eingekleidet sind. Für Damen gibt es Saris und dreiteilige Salwar Kameez aus Hose, Bluse und Schal, sowohl fertig konfektioniert als auch beim hauseigenen Schneider in Extraanfertigung geordert. Wenn Sie sich schon einfacherweise für die „ready mades“ interessieren, rechnen Sie dennoch damit, daß im Grunde jedes Teil ein Einzelstück ist. Fragen wie „Hätten Sie das Teil hier auch eine Nummer größer?“ oder „Gibt´s das auch noch in Blau?“ sind völlig sinnlos, und nicht etwa wegen sprachlicher Probleme. Vergessen Sie´s, so läuft das nicht. Es gibt nicht wie bei uns Modefarben, must-haves und einen Schnitt in allen Größen und mehreren Farben zur Auswahl. Es gibt das, was da ist, und das ist eine ganze Menge, es gibt aber eben auch nur das.

Ich hab mich auch gleich versorgt! Hätte stundenlang wühlen können, und die Verkäufer dort sind auch die reinsten Engel an Geduld und Hilfsbereitschaft. Einen Sari kann ich leider nicht wickeln, man muss es sich ja auch nicht zu schwer machen, aber ein Salwar ist einfach eine wunderschön aufeinander abgestimmte Kombination. Sehr weiblich und schmeichelhaft auch für Figuren, die wir mit unseren strengen westlichen Augen in die B-Riege verweisen. Es ging also rasend schnell, und keiner hätt´s mehr gedacht daß ich eigentlich keine Inderin bin!! Nun ja, bis auf die Sommersprossen, die rötlichen Haare und die sehr helle Haut halt. 

Und vielleicht fragen Sie jetzt noch, ob ich nur wegen des jet lags und zwecks Akklimatisierung und Geschenke shoppen drei ganze Tage in Chennai verbracht habe. Und ich antworte Ihnen dann, nein, Kleider kaufen kann man auch anderswo. 
Der Grund war ein ganz anderer, ich hatte Termine dort.
Wo? 
Beim indischen Astrologen.