Freitag, 18. Januar 2013

Karma (zweiter Teil)

Also, die Frage am Ende des ersten Teils lautete: Wie isses nu – gibt’s ein Karma, das uns ereilt, und dem wir mehr oder weniger hilflos ausgeliefert sind, als Ergebnis oder Sühne früherer Leben, oder haben wir wirkliche Macht über unser Leben durch unsere Gedanken, deren Qualität sich dann in unserer erlebten Wirklichkeit widerspiegelt?

Meine höchstpersönliche Idee, die sich im Laufe meines bisherigen Lebens, meiner Erfahrungen und der Lehren, die ich empfangen habe, herauskristallisiert hat ist – beides stimmt!

Jawohl, beides stimmt. Zumindest meiner Meinung nach.
Denn im Laufe eines Lebens, und zwar mindestens des einen, das wir bisher durchlebt haben, vielleicht aber auch vieler früherer, haben wir zahllose Erfahrungen gemacht und Entscheidungen getroffen, sind endlose Verpflichtungen und Bindungen eingegangen, haben Versprechen und Verträge wieder gelöst oder gebrochen, haben die Wahrheit gelebt oder gelogen, haben uns gefreut, waren traurig, wütend, hoffnungslos, fühlten uns stark und schuldig... Und all das hat seine Konsequenzen, denn die Seele erinnert sich, und auf der energetischen Ebene sind all unsere Erfahrungen und Entscheidungen gespeichert, dort sind Spuren hinterlassen.

Denken wir beispielsweise dabei an die vielen Ehen, die geschieden werden. Ich will das übrigens nicht verurteilen! Keinesfalls! Es geht mir hier nur um die Idee, wie es die Seele sieht – ist ein geschiedener Mensch jemals wieder richtig frei, oder bleibt die Bindung zum ersten Partner, das gegebene Versprechen, auf energetischer Ebene ganz subtil und einschränkend bestehen?
Wie sieht die Seele dies aus der Perspektive der Zeitlosigkeit?
Wie ist es, wenn wir jemanden belügen oder gar betrügen? Ich glaube, niemand tut das wirklich gerne und aus freien Stücken, sondern wir tun es, weil wir uns einen gewissen Vorteil davon versprechen, wie auch immer dieser aussehen mag. Wenn wir mit einer Lüge oder einem Vertrauensbruch jemandem schaden, wird die Seele das wissen und leiden – mindestens unbewusst, und auch dann, wenn unser Hirn engagiert daran arbeitet, uns von den Schuldgefühlen zu befreien und Ausreden zu finden. Und gar nicht zu reden von schlimmeren Verletzungen, die wir anderen zugefügt haben, mag die Situation auch noch so schwer und kompliziert gewesen sein.

Ich bin sicher, die Seele ist unbestechlich, und sie weiß. Auf dieser Ebene gibt es keine Ausreden, keine intellektuellen Haarspaltereien, es zählen auch nicht menschliche Gesetze und Verordnungen, sondern reines tiefes Wissen um Richtig und Falsch aus dem Blickwinkel höherer Weisheit und Liebe.

Meiner ganz persönlichen Meinung nach entstehen also aus der Diskrepanz dessen, was die Seele sieht und weiß und dem, was wir im Alltag, oft halb unbewusst, tun, für uns wirklich unerwünschte Resultate. Wir leben mit unbewusstem schlechten Gewissen, mit fortbestehenden uralten Bindungen, mit eingegangenen Verträgen, mit Versprechen und Schwüren, mit unwiderruflich gezogenen Schlußstrichen – und sind gefangen. Wir können nicht mehr frei sein und es sind eben nicht mehr alle Wege offen. Die alten Bindungen und Erfahrungen werden zu Fesseln, sie zwingen uns ausgetretene Wege auf, die uns im Kreis herum führen; es entstehen Mauern, die die Sicht auf bessere Möglichkeiten versperren - und so sind auch letztlich unsere Gedanken nicht mehr frei. Selbst die Gedanken, im Grunde unendliche Vielfalt, alle Möglichkeiten, völlige, unbegrenzte Freiheit, laufen in Rillen wie auf einer Schallplatte.
Das glauben Sie nicht? Haben Sie mal versucht, ihre Gedanken zu beobachten? Wer träumt denn bitte wirklich völlig schrankenlos? Wer ersinnt wirklich neue Welten, neue Leben, das bisher nicht gesehene und nie gedachte? Erträumen wir nicht eher das, was der Nachbar hat, bloß noch ein bisschen besser? Und im Falle einer Depression, welche ja ein echtes Gedankengefängnis ist, geht gar nichts mehr, die Gedanken laufen wie vorprogrammiert in tiefen Furchen, in engsten Kreisen, hinter hohen Mauern, und vielleicht auch noch durch die Finsternis.
Ich frage also nochmal: Wer ist wirklich kreativ? Wer denkt wirklich frei, voller Freude im gegenwärtigen Moment verankert, unbelastet von der Vergangenheit, frei von Sorgen um die Zukunft?

Und genau das ist Karma, es ist dieses Gefangensein selbst unserer schöpferischen Gedanken. Karma ist nichts, was uns zustößt – es ist etwas, das wir auf einer tiefen Ebene akzeptiert haben, und etwas, das für uns Sinn macht. Es ist auf subtiler, feiner, energetischer Ebene die Summe all dessen, was wir getan und entschieden haben, plus der Versuch, manche Sachen wieder ins Lot zu bringen. Es ist Ehrlichkeit pur. Weil unsere Seele unbestechlich ist, sich erinnert und weiß und in der Zeitlosigkeit existiert.

Ich persönlich glaube auch, daß im Bezug auf Karma auch die Planetenkräfte ins Spiel kommen, welche uns zum Zeitpunkt unserer Geburt schon auf eine bestimmte Bahn lenken, und die uns immer wieder mit unseren Themen konfrontieren und uns erinnern, damit wir die Fesseln lösen können. Und ich glaube, daß es unendliche Klugheit, Erfahrung und auch Weisheit erfordert, die Sprache der Sterne wirklich entziffern zu können. Meinen Respekt all jenen, die das beherrschen! Ja, und auch meinen Dank an allen, die mir bisher geholfen haben, in den Sternen zu lesen und mir zu helfen, die ausgetretenen Pfade hinter mir zu lassen. Noch nicht alle – aber schon einige!

Und so kommen wir demnächst zum dritten Teil des Kapitels, in dem ich erzählen werde, was mir geholfen hat, einen Teil meines Karmas aufzulösen. Weil ich es einfach leid war, die uralten Lasten weiter zu schleppen, mich noch länger in Kreisen zu bewegen, und weil ich schrecklich müde war.

Also, bis dann!
Mirabai

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