Wir Westler verwenden den Begriff „Karma“ gerne synonym für
bemerkenswerte Zufälle - „schlechtes Karma“ heißt dann salopp gesprochen
soviel wie „Pecht gehabt“. Gutes Karma gibt’s auch, das ist dann
entsprechend „Glück gehabt“.
Und dieser bemerkenswerte Zufall Karma kann sogar so groß sein, daß er unser ganzes Leben einschließt!
Ansonsten schwingt in dem Begriff Karma sicherlich auch der
Schuldbegriff mit. Hat jemand Schuld auf sich geladen, wird er dafür die
Strafe erhalten, im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit und
verbunden mit einem strafenden Gott(vater). Schuldgefühle sind in
unserer christlich geprägten Kultur weit verbreitet. Oder sind sie sogar
allgegenwärtig? Diffus und unhinterfragt lauern sie tief im Unbewussten
vergraben und zeigen sich vielleicht nur als negative
Erwartungshaltungen, als Ängste und Sorgen. Viele Menschen meinen, sie
hätten mit den Kirchen nichts am Hut, und wären insofern frei von der
Idee der Erbsünde, aber sie vergessen dabei, wie tief die Kirche über
Jahrtausende und Generationen hinweg unser Denken, Fühlen und die ganze
Gesellschaft prägen konnte. So tief, daß wir die Wurzeln unserer
Schwäche in den kirchlichen Lehren gar nicht mehr wahrnehmen.
Karma steht auch im Zusammenhang mit dem Gedanken der Wiedergeburt
und muss deshalb irgendwie mit unserer christlichen Denkweise
kollidieren, wonach die Seele am Ende des Lebens entweder zum Himmel
aufsteigt oder aber in der Hölle brät.
Verlassen wir uns in diesem Spiel dann auf Christus, der für uns am
Kreuz gestorben ist, und wir als die Getauften haben einen Premiumplatz
im Himmel sicher? Gilt das auch unabhängig davon, wie wir uns zu
Lebzeiten aufgeführt haben? Oder ist es vielleicht doch so – einmal
schwach gewesen, den einzigen Schuß versiebt, und dann ab ins ewige
Fegefeuer?
Mir fällt gerade jetzt, wo ich meine Gedanken für dieses Kapitel
sortiere, auf, daß sich über die Lebenszeit des Universums dann ganz
schöne Mengen Seelen im Himmel und auch in der Hölle ansammeln. Und
jeden Tag werden es mehr! Gerade in der Hölle! Da muss ordentlich
Betrieb sein!
Wird aber der Gedanke der Wiedergeburt akzeptiert, bedeutet Karma
dann nur den einfachen Mechanismus, daß der Sünder im Ausgleich für alle
seine schlechten Taten im nächsten Leben bezahlen muss, indem er sie am
eigenen Leib erfährt? Auge um Auge, Zahn um Zahn?
Ist Karma demnach gleichbedeutend mit einem unentrinnbaren Schicksal, dem der Mensch hilflos ausgeliefert ist?
Ob wir uns bemühen oder nicht – es liegt dann zunächst nicht in unserer
Hand. Wir dürfen uns demnach nur gedulden, nur erdulden, um auf diese
Weise die selber eingebrockte Suppe irgendwann ausgelöffelt zu haben,
und um uns von diesem Punkt aus wieder hochzuarbeiten.
Und gilt entsprechend, daß eine Seele für erlittenes Leid, Buße und gute
Taten im nächsten Leben belohnt wird? Vielleicht mit viel Geld und
schöne Frauen?
Aber wie passen diese ganzen fatalistischen Vorstellungen und
Konzepte eigentlich zu den Sprüchen der Heere von Esoterikern,
New-Age-Gurus, Trainern, Berufs-Motivierern, Gute-Laune-Verbreitern,
welche Ihnen sagen, daß alles ganz allein an Ihnen, an Ihren
Entscheidungen, an Ihren Gedanken, in Ihren Händen liegt?
Haben Sie vielleicht sogar so einen Chef, der Sie so zu Höchstleistungen antreiben will?
„Siegen beginnt im Kopf!“ „Gestalten Sie sich das Leben, daß Sie
sich wünschen!“ „Denken Sie nach und werden Sie reich!“ „Die Gedanken
bestimmen Ihre Welt!“ „Alles ist möglich!“ „Grenzen gibt es nur im
Kopf!“ „Bestellen Sie es sich einfach!“
HURRAAA!!!
Also - wenn mein Leben jetzt irgendwie nicht so doll läuft – bin ich
dann einfach nur zu dumm oder zu faul, ordentlich zu denken und richtig
zu entscheiden??
Fatalismus versus grenzenlose Gestaltungsmacht? Irgendwelche Schattierungen dazwischen?
Wie isses denn nu eigentlich??
Ich möchte im zweiten Teil dieses Kapitels einmal meine Gedanken zum Karma-Konzept darlegen.
Was sich über Jahre hinweg aus vielerlei Literatur, Lehren, esoterischem
Wissen, Forschung, Nachdenken und eigener Erfahrung dabei für mich
herauskristallisiert hat, was für mich Sinn macht, was bei mir etwas zum
Klingen bringt und was ich akzeptieren kann. Und dazu werde ich über
ein paar Techniken und Lösungsansätze schreiben, die ich selber probiert
habe, um aus dem Affenkäfig rauszukommen, plus meine Erfahrungen dabei
erzählen. Alles ohne Gewähr, Anspruch auf Vollständigkeit, Anspruch auf
Gültigkeit. Nur so zum teilen... ;o)
Also, bis demnächst, Fortsetzung folgt!
Die Mirabai war´s!
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