Mittwoch, 16. Januar 2013

Karma (erster Teil)

Wir Westler verwenden den Begriff „Karma“ gerne synonym für bemerkenswerte Zufälle - „schlechtes Karma“ heißt dann salopp gesprochen soviel wie „Pecht gehabt“. Gutes Karma gibt’s auch, das ist dann entsprechend „Glück gehabt“.
Und dieser bemerkenswerte Zufall Karma kann sogar so groß sein, daß er unser ganzes Leben einschließt!

Ansonsten schwingt in dem Begriff Karma sicherlich auch der Schuldbegriff mit. Hat jemand Schuld auf sich geladen, wird er dafür die Strafe erhalten, im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit und verbunden mit einem strafenden Gott(vater). Schuldgefühle sind in unserer christlich geprägten Kultur weit verbreitet. Oder sind sie sogar allgegenwärtig? Diffus und unhinterfragt lauern sie tief im Unbewussten vergraben und zeigen sich vielleicht nur als negative Erwartungshaltungen, als Ängste und Sorgen. Viele Menschen meinen, sie hätten mit den Kirchen nichts am Hut, und wären insofern frei von der Idee der Erbsünde, aber sie vergessen dabei, wie tief die Kirche über Jahrtausende und Generationen hinweg unser Denken, Fühlen und die ganze Gesellschaft prägen konnte. So tief, daß wir die Wurzeln unserer Schwäche in den kirchlichen Lehren gar nicht mehr wahrnehmen.

Karma steht auch im Zusammenhang mit dem Gedanken der Wiedergeburt und muss deshalb irgendwie mit unserer christlichen Denkweise kollidieren, wonach die Seele am Ende des Lebens entweder zum Himmel aufsteigt oder aber in der Hölle brät.
Verlassen wir uns in diesem Spiel dann auf Christus, der für uns am Kreuz gestorben ist, und wir als die Getauften haben einen Premiumplatz im Himmel sicher? Gilt das auch unabhängig davon, wie wir uns zu Lebzeiten aufgeführt haben? Oder ist es vielleicht doch so – einmal schwach gewesen, den einzigen Schuß versiebt, und dann ab ins ewige Fegefeuer?
Mir fällt gerade jetzt, wo ich meine Gedanken für dieses Kapitel sortiere, auf, daß sich über die Lebenszeit des Universums dann ganz schöne Mengen Seelen im Himmel und auch in der Hölle ansammeln. Und jeden Tag werden es mehr! Gerade in der Hölle! Da muss ordentlich Betrieb sein!

Wird aber der Gedanke der Wiedergeburt akzeptiert, bedeutet Karma dann nur den einfachen Mechanismus, daß der Sünder im Ausgleich für alle seine schlechten Taten im nächsten Leben bezahlen muss, indem er sie am eigenen Leib erfährt? Auge um Auge, Zahn um Zahn?
Ist Karma demnach gleichbedeutend mit einem unentrinnbaren Schicksal, dem der Mensch hilflos ausgeliefert ist?
Ob wir uns bemühen oder nicht – es liegt dann zunächst nicht in unserer Hand. Wir dürfen uns demnach nur gedulden, nur erdulden, um auf diese Weise die selber eingebrockte Suppe irgendwann ausgelöffelt zu haben, und um uns von diesem Punkt aus wieder hochzuarbeiten.
Und gilt entsprechend, daß eine Seele für erlittenes Leid, Buße und gute Taten im nächsten Leben belohnt wird? Vielleicht mit viel Geld und schöne Frauen?

Aber wie passen diese ganzen fatalistischen Vorstellungen und Konzepte eigentlich zu den Sprüchen der Heere von Esoterikern, New-Age-Gurus, Trainern, Berufs-Motivierern, Gute-Laune-Verbreitern, welche Ihnen sagen, daß alles ganz allein an Ihnen, an Ihren Entscheidungen, an Ihren Gedanken, in Ihren Händen liegt?
Haben Sie vielleicht sogar so einen Chef, der Sie so zu Höchstleistungen antreiben will?
„Siegen beginnt im Kopf!“ „Gestalten Sie sich das Leben, daß Sie sich wünschen!“ „Denken Sie nach und werden Sie reich!“ „Die Gedanken bestimmen Ihre Welt!“ „Alles ist möglich!“ „Grenzen gibt es nur im Kopf!“ „Bestellen Sie es sich einfach!“
HURRAAA!!!

Also - wenn mein Leben jetzt irgendwie nicht so doll läuft – bin ich dann einfach nur zu dumm oder zu faul, ordentlich zu denken und richtig zu entscheiden??

Fatalismus versus grenzenlose Gestaltungsmacht? Irgendwelche Schattierungen dazwischen?
Wie isses denn nu eigentlich??

Ich möchte im zweiten Teil dieses Kapitels einmal meine Gedanken zum Karma-Konzept darlegen.
Was sich über Jahre hinweg aus vielerlei Literatur, Lehren, esoterischem Wissen, Forschung, Nachdenken und eigener Erfahrung dabei für mich herauskristallisiert hat, was für mich Sinn macht, was bei mir etwas zum Klingen bringt und was ich akzeptieren kann. Und dazu werde ich über ein paar Techniken und Lösungsansätze schreiben, die ich selber probiert habe, um aus dem Affenkäfig rauszukommen, plus meine Erfahrungen dabei erzählen. Alles ohne Gewähr, Anspruch auf Vollständigkeit, Anspruch auf Gültigkeit. Nur so zum teilen... ;o)

Also, bis demnächst, Fortsetzung folgt!
Die Mirabai war´s!

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