Die Tempelstadt Kumbakonam ist mit dem Bus in ungefähr sechs Stunden
Fahrt in Richtung Süden von Tiruvannamalai aus erreichbar und gehört
ebenfalls zu den wichtigen Pilgerorten in Tamil Nadu. Meine ganze
Indienreise war im Grunde eine Pilgerschaft, zuerst zum Heiligen Berg
Arunachala, der mich gerufen hat, und dann nach Kumbakonam, wohin mich
der vedische Astrologe aus Chennai geschickt hat.
Der Haupttempel in Kumbakonam, der Kumbareshwara-Tempel, ist Siva
geweiht, aber ich besuchte andere Orte in der Umgebung. Die freundlichen
Herren in meinem Hotel haben mir eine Tour mit den empfohlenen Zielen
zusammengestellt, und der nette Fahrer hat mich begleitet, immer
rücksichtsvoll, wenn ich noch Zeit zur Andacht brauchte, und umsichtig
und hilfsbereit, wenn ich die angegebenen Opfergaben kaufte und meinen
Weg durch die Tempel suchte.
Vor jedem Tempel gibt es Verkäufer, die
Archanas anbieten, das sind Arragements aus Blumengirlanden, Früchten
und allem, was den jeweiligen Tempelgott erfreut. Diese Gaben übergibt
man dann den Brahmanen, die die Sachen in der vorgeschriebenen Weise
darbringen. Gut ist es, wenn man dafür sein Nakshatra weiß, das
astrologische Mondzeichen, denn der Brahmane „identifiziert“ die
Besucher bei der Tempelgottheit mittels Vornamen und Nakshatra (einfache
reports zur Berechnung des Nakshatra finden sich z.B. auf www.astroved.com).
Der Gläubige kann beten und empfängt den Segen durch den Anblick der
Gottheit während eines Darshan. Noch eine kleine Spende, und man bekommt
andere Gaben, die von der Gottheit und der Schwingung im Tempel bereits
energetisiert sind, mit nach Hause. Die Stirne wird mit heiliger Asche
aus den Feuerritualen, mit Vibhuti, versiegelt, damit die reine
göttliche Schwingung auch in der weltlichen Atmosphäre draußen geschützt
bleibt, und rotes Kumkum markiert das dritte Auge auf der Stirne.
Wer mehrere Tempel an einem Tag besucht sieht dann auch schon sehr besonders aus...
Um Kumbakonam herum gibt es Planetentempel, in denen die
Planetenwesenheiten verehrt werden, und auch einen Navagraha-Tempel, der
hauptsächlich Suryan, der Sonnengottheit, geweiht ist, wo es aber auch
Schreine für die Verehrung all der anderen Planeten gibt. Dieser
besondere Navagraha-Tempel (nava = neun, graha = Planet) in Suryanar war
eines meiner Ziele, um die wenig erfreulichen Aspekte meines Horoskops
und meines Nadi-readings zu heilen, indem ich die Gottheiten besuchte,
sie ehrte und wieder Freundschaft mit Ihnen schloß.
Außerdem wurde ich noch zu Tempeln geschickt, die den übergeordneten
Göttern der für mich wichtigen Planetenwesen geweiht waren. Wegen eines
dominanten Mars im Horoskop besuchte ich Sri Murugan in seinem
Heiligtum in Swamimalai, denn er ist der Herr über den Marsgott. Die
göttliche Mutter Durga, welche den Schattenplaneten Rahu im Griff hat,
ehrte ich mit einer Girlande aus Limonen, für jedes meiner Lebensjahre
eine. Siva ist der Herr über die Sonne und über Saturn, und ihn besuche
ich sowieso immer gern an seinen heiligen Orten.
Was so besonders ist an den Tempeln in Indien – wer nur einigermaßen
feinfühlig ist, kann an jedem Ort eine andere (heilsame) Energie
spüren. Die jeweilige Atmosphäre wird seit ewigen Zeiten von den
Brahmanen gepflegt, mit Ritualen, und mit den heiligen Schwingungen der
Mantren.
Man hört das feine Summen des ewigen Tones OM und spürt die große Leere
in den Siva-Heiligtümern, man fühlt den Energiestoß von Durga-Ma an
Ihrem eigenen Platz und Sri Murugan, der Kämpfer, macht eine
Grundreinigung des Energiekörpers. Shani, der Saturn-Gott, ist sehr
erhaben, und Saraswati, die Göttin der Wissenschaften und der Künste,
die ich für mein Kind besuchte, ist heiter und freundlich.
Es kann schon mal vorkommen, daß das Handy des Brahmanen während
eines Rituals klingelt und er schnell mal eine klitzekleine sms tippen
muss... Nichtsdestotrotz, diese wunderschönen Pilgerstätten beherbergen
eine wirkliche Kraft, die nachwirkt.
Pilgern gehört für mich zu den wichtigen Werkzeugen, die wirklich
helfen, wenn jemand sein Leben ändern möchte. Wenn es gilt, Karma
aufzulösen, Lasten abzulegen und heil zu werden.
Sich alleine auf den Weg zu machen, sich dem Leben, dem Weg und den
Energien unterwegs zu überlassen, vielleicht auch an seine Grenzen zu
kommen und darüber hinaus, immer im Vertrauen darauf, daß für alles
gesorgt ist und Führung nahe, all das hat eine eigene mystische Kraft.
Probieren Sie´s aus, wenn Sie am Ende Ihres Weges sind und nicht mehr
weiter wissen...
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