Dienstag, 5. Februar 2013

Kumbakonam

Die Tempelstadt Kumbakonam ist mit dem Bus in ungefähr sechs Stunden Fahrt in Richtung Süden von Tiruvannamalai aus erreichbar und gehört ebenfalls zu den wichtigen Pilgerorten in Tamil Nadu. Meine ganze Indienreise war im Grunde eine Pilgerschaft, zuerst zum Heiligen Berg Arunachala, der mich gerufen hat, und dann nach Kumbakonam, wohin mich der vedische Astrologe aus Chennai geschickt hat.

Der Haupttempel in Kumbakonam, der Kumbareshwara-Tempel, ist Siva geweiht, aber ich besuchte andere Orte in der Umgebung. Die freundlichen Herren in meinem Hotel haben mir eine Tour mit den empfohlenen Zielen zusammengestellt, und der nette Fahrer hat mich begleitet, immer rücksichtsvoll, wenn ich noch Zeit zur Andacht brauchte, und umsichtig und hilfsbereit, wenn ich die angegebenen Opfergaben kaufte und meinen Weg durch die Tempel suchte.
Vor jedem Tempel gibt es Verkäufer, die Archanas anbieten, das sind Arragements aus Blumengirlanden, Früchten und allem, was den jeweiligen Tempelgott erfreut. Diese Gaben übergibt man dann den Brahmanen, die die Sachen in der vorgeschriebenen Weise darbringen. Gut ist es, wenn man dafür sein Nakshatra weiß, das astrologische Mondzeichen, denn der Brahmane „identifiziert“ die Besucher bei der Tempelgottheit mittels Vornamen und Nakshatra (einfache reports zur Berechnung des Nakshatra finden sich z.B. auf www.astroved.com).
Der Gläubige kann beten und empfängt den Segen durch den Anblick der Gottheit während eines Darshan. Noch eine kleine Spende, und man bekommt andere Gaben, die von der Gottheit und der Schwingung im Tempel bereits energetisiert sind, mit nach Hause. Die Stirne wird mit heiliger Asche aus den Feuerritualen, mit Vibhuti, versiegelt, damit die reine göttliche Schwingung auch in der weltlichen Atmosphäre draußen geschützt bleibt, und rotes Kumkum markiert das dritte Auge auf der Stirne.
Wer mehrere Tempel an einem Tag besucht sieht dann auch schon sehr besonders aus...

Um Kumbakonam herum gibt es Planetentempel, in denen die Planetenwesenheiten verehrt werden, und auch einen Navagraha-Tempel, der hauptsächlich Suryan, der Sonnengottheit, geweiht ist, wo es aber auch Schreine für die Verehrung all der anderen Planeten gibt. Dieser besondere Navagraha-Tempel (nava = neun, graha = Planet) in Suryanar war eines meiner Ziele, um die wenig erfreulichen Aspekte meines Horoskops und meines Nadi-readings zu heilen, indem ich die Gottheiten besuchte, sie ehrte und wieder Freundschaft mit Ihnen schloß.
Außerdem wurde ich noch zu Tempeln geschickt, die den übergeordneten Göttern der für mich wichtigen Planetenwesen geweiht waren. Wegen eines dominanten Mars im Horoskop besuchte ich Sri Murugan in seinem Heiligtum in Swamimalai, denn er ist der Herr über den Marsgott. Die göttliche Mutter Durga, welche den Schattenplaneten Rahu im Griff hat, ehrte ich mit einer Girlande aus Limonen, für jedes meiner Lebensjahre eine. Siva ist der Herr über die Sonne und über Saturn, und ihn besuche ich sowieso immer gern an seinen heiligen Orten.

Was so besonders ist an den Tempeln in Indien – wer nur einigermaßen feinfühlig ist, kann an jedem Ort eine andere (heilsame) Energie spüren. Die jeweilige Atmosphäre wird seit ewigen Zeiten von den Brahmanen gepflegt, mit Ritualen, und mit den heiligen Schwingungen der Mantren.
Man hört das feine Summen des ewigen Tones OM und spürt die große Leere in den Siva-Heiligtümern, man fühlt den Energiestoß von Durga-Ma an Ihrem eigenen Platz und Sri Murugan, der Kämpfer, macht eine Grundreinigung des Energiekörpers. Shani, der Saturn-Gott, ist sehr erhaben, und Saraswati, die Göttin der Wissenschaften und der Künste, die ich für mein Kind besuchte, ist heiter und freundlich.

Es kann schon mal vorkommen, daß das Handy des Brahmanen während eines Rituals klingelt und er schnell mal eine klitzekleine sms tippen muss... Nichtsdestotrotz, diese wunderschönen Pilgerstätten beherbergen eine wirkliche Kraft, die nachwirkt.

Pilgern gehört für mich zu den wichtigen Werkzeugen, die wirklich helfen, wenn jemand sein Leben ändern möchte. Wenn es gilt, Karma aufzulösen, Lasten abzulegen und heil zu werden.
Sich alleine auf den Weg zu machen, sich dem Leben, dem Weg und den Energien unterwegs zu überlassen, vielleicht auch an seine Grenzen zu kommen und darüber hinaus, immer im Vertrauen darauf, daß für alles gesorgt ist und Führung nahe, all das hat eine eigene mystische Kraft.
Probieren Sie´s aus, wenn Sie am Ende Ihres Weges sind und nicht mehr weiter wissen...

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