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Mittwoch, 12. Juni 2013

„Gott schütze uns vor Eis und Wind und Reden, die vom Jockel (Gauck) sind“

Ich lach mich weg, Urban Priol spricht auf der Blockupy-Demo in Frankfurt, der „kriminellsten Stadt Deutschlands“ (Warum das so ist? Na,wegen dem Bankenzentrum!).

Einen sonnigen Tag wünscht
Mirabai

Freitag, 31. Mai 2013

Blockupy und Solidarität

Diese Tage werden Demonstranten und Aktivisten aus ganz Europa in Frankfurt erwartet. Die Veranstalter sprachen von bis zu 20.000 Teilnehmern, die vor der EZB und am Flughafen ihre Meinung zu Bankenfilz, Umverteilung von fleißig / unten nach reich, Demokratiedefizit und Abschiebepraxis kundtun möchten.

Im Vorfeld schon hat die deutsche Polizei mit martialischem Gebaren brilliert. Ausschreitungen, Gewalt werde erwartet! Autonome und Aktivisten!!
Die Berichterstattung in den Medien, abgerundet durch einschüchternde Fotos von gepanzerten Fahrzeugen und Polizisten in voller Kampfmontur signalisierte dem letzten vielleicht doch ein wenig sympathisierenden Michel in unzweideutiger Dominanz: Bleib daheim, halt die Klappe, halt Dich raus. Oder sollte diese ganze Machtdemonstration, das ganze Mediengekreische etwa doch nur wegen bis zu 20.000 zu erwartender Leutchen stattfinden, wo doch jedes größere Bundesligaspiel mehr Fans anzieht, und die erfahrungsgemäß auch nicht immer durch gepflegte Höflichkeit und Alkoholabstinenz auffallen....??

Wie auch immer sich die bürgerfinanzierte Staatsmacht zusammen mit den ihr ergebenen Propagandaorganen aufführt, wenn an ihren schimmligen Grundfesten gerührt wird oder ihre Schoßhündchen in Bedrängnis geraten ist das eine. Es ist im Grunde das erwartbare.
Das andere jedoch, das, was mich wirklich erschüttert, sind die Reaktionen vieler Mitbürger auf die Blockupy-Aktion, nachzulesen in den Foren der großen online-Tageszeitungen. Da wird vom Leder gezogen was das Zeug hält, da steht der Schaum vor´m Munde der Kommentarschreiber, und Unterstellungen, Verunglimpfungen, regelrechte Hassreden auf die Demonstranten werden abgefeuert.
Der Tenor: Die faulen Hartzer werden rangekarrt um Krach zu machen! Immer dieselben!! Haben nix besseres zu tun als Krawall zu machen! Halten anständige Bürger von der Arbeit ab! Sollen auch was vernünftiges tun und sich mal ein Beispiel nehmen an den anständigen Bürgern! Demokratie kann doch nicht bedeuten dass ich gehindert werde, rechtzeitig in die Firma zu kommen! Sollen diese Asozialen dort demonstrieren wo sie mich nicht stören! Oder am besten gar nicht!
Und, als Krönung von allem, wird nach der Polizei / dem Militär / nach sonstwem gerufen um mal ordentlich durchzugreifen, Ordnung zu schaffen und drakonische Strafen zu verhängen.

Mal ausgehend davon, dass die veröffentlichten Kommentare vielleicht genauso volkserzieherisch selektiert sind wie zu anderer Zeit unliebsame Kritik unterdrückt wird – aber dass es überhaupt Leute in diesem Lande gibt, die derartig respektlos über ihre Mitmenschen und deren Anliegen reden, macht mich betroffen. Wie kann das sein, dass Forderungen, die prinzipiell völlig berechtigt und keinesfalls zu beanstanden sind und die mit den erlaubten Mitteln eines demokratischen Staates allenfalls etwas lautstark vorgetragen werden derartig ablehnende Reaktionen ihrer Mitbürger hervorrufen? Wie kann es sein, dass demjenigen, der seine Meinung öffentlich vertritt, so viel Aggressivität entgegen gebracht wird? Wie kann es sein, dass die Toleranz einiger (hoffentlich nicht vieler!) schon dort aufhört, wo lediglich die eigene Bequemlichkeit betroffen ist – nämlich beim schnellen Weg zur Arbeit?

Oder anders formuliert: Wie kann es sein, dass wir als Mitglieder einer Gesellschaft, eines Landes uns so leicht gegeneinander aufbringen lassen? Wie gut staatserzogen ist jemand, der Demonstranten für urbürgerliche Rechte derart abwertend beschimpft und nach Polizei und drastischen Strafen kreischt? Wer ist denn da die Gefahr für Demokratie? Der Demonstrant mit den Straßensperren, oder doch der ergebene deutsche Untertan?

Sehen wir nicht, dass solches Verhalten, nämlich das Fehlen jedes Verständnisses und jeglicher bürgerlicher Solidarität nur die als Gewinner kennt, die unsere Solidarität überhaupt nicht verdient haben? Sehen wir nicht, wie sich Banken- und Konzernmacht in unheiligem Verbund mit der Politik die Hände reiben wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, statt mal den Fokus auf die richtige Stelle, nämlich auf die Drehbuchschreiber dieser gesellschaftlichen Misere zu richten? Und zwar gemeinschaftlich?
Rennen wir wirklich kritiklos und ergeben mehr als die Hälfte des Jahres für einen gängelnden Staat und ausufernde Steuervergeudung im Hamsterrad, kriegen aber das Geifern, wenn nach Gerechtigkeit rufende Mitmenschen uns auf dem Weg in die Tretmühle ausbremsen? Sind wir etwa schon süchtig nach dieser Ausbeutung, erlegen wir sie uns schon selber auf, stimmen wir schon gehorsam von selber das Lied der neoliberalen Menschenfeindlichkeit an?
Oder glauben einige der gut erzogenen keifenden Bravbürger wirklich, dass sie am Ende schlauer sind als das System wenn sie nur alle anderen aus dem Weg kegeln und noch viel schneller rennen, um irgendwann als Sieger aus welchem Spiel auch immer hervorzugehen??

Leute, bitte: Denkt nach. Schaut mal „den anderen“ an, wer auch immer das sein mag, der Nachbar, der Kollege, sonst wer. Wir sitzen in einem Boot, wir spielen in einem Team, und der Schädling ist nicht der Hartzer, ist nicht der Demonstrant und ist auch nicht der, dessen Kraft nicht reicht, das Hamsterrad in olympischer Geschwindigkeit zu treten. Nehmt euch mal Zeit und denkt nach, denkt selber.
Finden wir wieder zu einer Gesellschaft zusammen und treten wir gemeinsam dafür ein, das WIR wieder in den Mittelpunkt zu stellen.
Oder um es mal mit Erwin Pelzig zu sagen: Wenn die Kanzlerin immer über eine marktkonforme Demokratie redet und diese fordert, möchte ich immer fragen, ob ihr vielleicht auch mal die Idee eines demokratiekonformen Marktes gekommen ist...?

Viele Grüße an alle, und für eine neue menschlichere Gesellschaft!
Sat Nam,

Mirabai