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Mittwoch, 3. Juli 2013

Ein gänzlich anderer Blick auf Zimbabwe

Wenn das süd-ostafrikanische Land Zimbabwe erwähnt wird – woran denken wir spontan?

Ah ja – Mugabe, der Diktator, fällt sofort ein. Seit wie vielen Jahren regiert der jetzt? Seit über dreißig?? Alles klar. Nun, und sympathisch sieht er, vorsichtig formuliert, nicht eben aus...
Einige erinnern sich vielleicht auch noch an die gewaltsame Vertreibung der britischen Landbesitzer, die bislang die Nahrungsmittelversorgung des Landes gewährleisteten. Es folgen Assoziationen von Armut, Hunger und Elend, es ziehen Bilder von Slums vor dem inneren Auge vorbei. Korruption allüberall, eine reiche Oberschicht, die sich am Elend der Bevölkerung bereichert. Die Hyperinflation 2008 / 2009 gab dem Land den Rest, Gideon Gono als Nationalbankchef ist legendär, die Leute bezahlten Kleinigkeiten des täglichen Lebens mit Millionenscheinchen, besser erging es nur denjenigen, die Südafrikanische Rand besaßen oder andere ausländische Währungen. AIDS löscht ganze Familien aus, die Gesundheitsversorgung ist schlecht und die hygienischen Bedingungen jenseits von allem, was zivilisiert ist.
Wir denken spontan auch an Menschenrechtsverletzungen am laufenden Band in diesem geschunden Land. Mugabe wird zu Recht vom Commonwealth ausgeschlossen, es gibt Einreiseverbote in westlichen Ländern...

Wer möchte also mal nach Zimbabwe? - Gott behüte, dann lieber kein Weihnachten.

Alle, die diese Vorstellungen hegen, und ich denke mal, das sind die meisten, bitte ich nun, als Suchbegriff „Harare“, den Namen der Hauptstadt Zimbabwes bei google einzugeben, und sich die Bilder der Stadt anzusehen. Tut es wirklich jetzt!

Na? Komisch, oder?
Als ich das gesehen habe, ging mir mal wieder auf, wie wir verarscht werden...
Harare ist demnach nicht gross, aber sauber, modern und freundlich, hat eine nette Skyline, die Straßen sind breit und gut angelegt, es fahren normale Autos und keine Ochsenkarren oder Tuk-Tuks, das Klima scheint angenehm, die Luft sauber, die Leute sind modern-westlich gekleidet und sehen zufrieden, gesund und wohl genährt aus.

Wie kann das sein??

Zimbabwe, ehemals Rhodesien, war früher benannt nach dem Briten Sir Cecil Rhodes, einem der führenden Kolonialherren, der sehr erfolgreich seine Minengeschäfte im Land führte.
Und sehen wir uns gleich auch andere afrikanische Länder an, denn Kolonialisierung war überall: Trotz unglaublichen Reichtums an Bodenschätzen blieben für die einheimische Bevölkerung meist nur die Brosamen vom Tisch der Weißen oder heutzutage eben von Gnaden der multinationalen Großkonzerne übrig. Dies erscheint uns als selbstverständliche Tatsache, wir hinterfragen das kaum mehr. Nur wenige haben Arbeit in den Minenbetreiben und leiden oft unter ausbeuterischen Löhnen und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen. Und nicht nur die Menschen im Land leben mehr oder weniger im Elend, auch die Natur wird geschunden für den Profit weniger.
Früher in Rhodesien wie anderswo heutzutage auch.

1980 gewann Zimbabwe seine Unabhängigkeit, und zunächst sah alles gut aus im postkolonialen Land. Zunächst waren in der Regierung noch Mandate für die weiße, reiche Minderheit reserviert, aber auch inspiriert von Südafrika kam es zu Verfassungsänderungen, die argwöhnisch beobachtet wurden. Kleinere Landreformen wurden angeschoben, Bildungsprogramme gestartet.

In den 90er Jahren war der IWF segensreich im Land tätig, empfahl Austerität, Privatisierungen und Öffnung, Öffnung!! für ausländische Investoren. Wir wissen sehr gut wie solche Programme aussehen, wenn wir nur regelmäßig die Nachrichten über Griechenland lesen. Und wer übrigens mehr über diese Institution IWF und ihr Wirken wissen möchte, dem sein das Buch „Economic Hitman“ empfohlen. Mehr brauche ich dann nicht zu schreiben.

Dem Land ging´s also dann zunehmend schlechter, das aufgestaute Elend und die Wut entlud sich schließlich in einer gewaltsamen Landreform und in den auch blutig verlaufenden Vertreibungen der britischen Großgrundbesitzer.
Was aber danach geschah, und welchen unbekannten Weg das Land ging, das schlage ich jetzt nicht bei wikipedia nach, sondern bei afrikanischen Bloggern und Autoren.
Und nein, die sind nicht objektiv und unabhängig, und auch keine gelernten Demokraten! Aber meine Augen sehen bei google, dass sie auch nicht nur Blockflöten und Propagandaschleudern sind.

Das Land der Briten wurde aufgeteilt. Und obwohl alle aufgeheult haben, dass die faulen Afrikaner den Grund mit Sicherheit verwahrlosen lassen und sprichwörtlich auf fruchtbarem Boden verhungern würden, ist nach kurzer Zeit das Gegenteil passiert. Zum Segen des Landes und der Bevölkerung. Statt vorher einer Minderheit von 4000 Weißen erhielten jetzt eine halbe Million Einheimischer Grund und Boden – und damit ein Auskommen für sich und ihre Familien. Aber die Erde garantierte nicht nur sichergestellte Ernährung, ein würdevolles Leben und die Möglichkeit, den Besitz den eigenen Nachkommen weiter zu vererben. Grundbesitz bedeutet der afrikanischen Seele viel, er bedeutet Identität, Heimat und Wurzeln, er ist eine Quelle von Stolz und lässt die Menschen wirklich unabhängig und frei werden. Denn nur wer keine Angst hat vor Not und Abstieg, nur wer sich sicher, ernährt und versorgt weiß, ist wirklich frei.
Diese Gedanken sollten in HartzIV-Deutschland mit dem größten Niedriglohnsektor Europas mal ganz intensiv durchdacht werden..... nur meine bescheidene Meinung.

Und diese Reform ist der Verdienst des entsetzlichen Diktators Robert Mugabe. Er schaffte es, den Reichtum im Lande zu behalten und damit eine gewisse Autarkie des Landes und des Volkes herzustellen. Eine neue Mittelschicht auf der Basis des landwirtschaftlichen Ertrages bildete sich heraus. Denn wenn Bodenschätze von Fremden ausgebeutet werden und das erwirtschaftete Geld in der Schweiz angelegt wird – wo ist der Gewinn für das Land?

Diese Politik der Indigenisierung, d.h., eine neue Form eines gesunden Sozialismus mit der Verteilung von Gütern wie Land, Bodenschätzen und Unternehmen zurück in die Hände der Einheimischen und damit die Abkehr von jeder Art von Kolonialisierung, wird Mugabe weiter vorantreiben. Im Laufe der nächsten Jahre sollen weitere 3 Milliarden US-Dollar aus den Händen ausländischer Investoren zurückgeführt werden, um die Infrastruktur des Landes weiter auszubauen.
Und jetzt wird’s total spannend: Kürzlich haben sogar mainstream-Medien, in diesem Fall die NY Times, zugeben müssen, dass Mugabes Reformen irgendwie und offensichtlich erfolgreich waren.Und auf Grund solcher Leistungen kann es sich Mugabe durchaus leisten, demokratische Wahlen abzuhalten: Knapp dreißig verschiedene Parteien werden heuer antreten.

Während einige Seiten – wie eben erwähnt die NY Times – auch wohlwollende Worte über das kleine Land und seinen Weg verlieren, giften und geifern andere, kürzlich ganz besonders südafrikanische Systemverteidiger. Dort im Land ist die Ungerechtigkeit und die Ungleichheit in Bezug auf Besitz und Vermögen nach wie vor groß – und da kann nebenan einfach nicht sein, was nicht sein darf. Der englische Forscher Ian Scoones, der über die unerwarteten, aber nachweis- und belegbaren Erfolge der Mugabe-Reformen berichtete, erntete Entrüstungsstürme.


Die Mirabai wünscht jetzt viel Freude beim Augenreiben und beim Durchlüften der Hirne!


Quellen: